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Okt 2017

Montag, 30. Oktober 2017:

Letztendlich verdanken wir den heutigen Brückentag Martin Luther. Das größte Glück für mich dabei: Ich konnte den Kranichzug „live“ miterleben. Martin Luther und die Kraniche! Bereits während der letzten Nacht hörte ich die typischen Schreie, konnte die Schwärme aber natürlich nicht am Himmel ausmachen. Heute Nachmittag nun kündeten hundertfach die Rufe der Vögel dieses Schauspiel an. Schnell eilte ich mit dem Fotoapparat in den Garten. Ich sah sie an den Haardtrand fliegen, in der typischen Keil-Formation. Ziemlich genau über Bad Dürkheim löste sich die Formation auf, in einem ungeordneten Durcheinander nutzten die Kraniche die Aufwinde vor dem Mittelgebirge, „schraubten“ sich in die Höhe, bildeten auch wahrnehmbar in der gewonnenen Höhe den Keil und flogen in dieser Formation weiter gen Süden. Ein Schaudern durchlief mich angesichts dieses archaisch anmutenden Ereignisses, das sich mehrfach an diesem Nachmittag mit immer neuen Schwärmen wiederholte. Den letzten Schwarm konnte ich nur noch hören, die Dunkelheit verhinderte bereits den Blick auf diese stolzen Vögel, die diesen Zug innerhalb von Jahrtausenden zum Überleben entwickelt haben. Und das genau zu der Zeit, in der ich in den drei Fünferklassen das Lied von den Kranichen eingeübt und gesungen habe. In allen drei Klassen sind die Papierkraniche bereits gefaltet und werden in der kommenden Woche im Keil aufgehängt (vgl. dazu: Deshalb IGS, S.125-128). Natürlich werde ich ihnen meine heutigen Fotos und Filmausschnitte präsentieren – und damit fast ein Stück Biologie, auf jeden Fall aber eine Grundlage der IGS in Musik transferieren. Bedrückung erreichte mich während der Nacht: Ich hörte zweimal Kranichrufe weniger Tiere, ganz deutlich von dem hundert- oder tausendfachen Kreischen am Nachmittag unterschieden. Es muss sich um wenige, vereinzelte Vögel gehandelt haben. Haben sie ihren Schwarm verloren, den Anschluss irgendwann verloren? Waren es die Schwächsten, die dann doch nicht, wie im Lied, hinten im Keil, aber integriert flogen? Werden sie nochmal an den Schwarm anschließen können? Vielleicht am nächsten Rastplatz irgendwo an einem französischen See? Nachtgedanken eben, die aber das Wachsein für Augenblicke beschwerten.

 

Donnerstag, 26. Oktober 2017:

Gefühlt zum fünfzigsten Mal innerhalb der letzten zwanzig Jahre ging gestern der Info-Abend zur differenzierten Leistungsmessung mit meiner Beteiligung über die Bühne - dieses Mal speziell für die Eltern unserer neuen Fünftklässler (vgl. dazu auch: Deshalb IGS, S.78-91). Da wir einige Änderungen vornahmen, um die Vorgaben des Ministeriums, hauptsächlich diejenigen der dort ansässigen Juristen, zu erfüllen, war es dann noch eine teilweise neue Veranstaltung. Der anfängliche Grundlagenteil "Was ist Leistung überhaupt“ und „Welche Faktoren nehmen Einfluss auf die erbrachten Leistungen?“ blieb aber doch gleich. Ich kürzte ihn auf Anraten auf die wirklich notwendigen Folien und fügte Fotos aus der umfangreicheren Präsentation aus den Studientagen in das neue Format ein. Die Zeugnisnote besteht immer aus so genannten „anderen Leistungen“ und dem Schnitt aus den Klassenarbeiten. Da bei ersterem kein Jurist jemals Einblick nehmen wollte, ist dies auch der unumstrittene Teil der Notenfindung, der sowohl die lange Strecke als auch die unterschiedlichsten Möglichkeiten zur Differenzierung umfasst. Diesen Abschnitt habe ich jederzeit parat und kann ihn mit schönen und aussagekräftigen Fotos präsentieren. Die Formen der differenzierten Klassenarbeiten dagegen sind für die fünften Klassen neu. Daher überließ ich diese der Didaktischen Koordinatorin. Ein guter, ein runder Abend, wie ich glaube.

Heute nun fand der „große“ Info-Abend für alle Grundschulen im hiesigen Gymnasium statt. Die Eltern der Viertklässler stehen vor der nicht einfachen Frage: „Welche Schule soll mein Kind nach der vierten Klasse besuchen?“ Natürlich ist die Antwort durch eine ganze Palette von Aspekten bedingt. Eine wichtige Rolle sollte die Empfehlung der Grundschule spielen, die sich in der Regel als richtig erweist. Für die IGS ist zum Beispiel eine weitere Frage nicht unbedeutend: Kann das Kind in großen Lerngruppen arbeiten oder besser in kleineren. Unsere Klassen sind voll, das bedeutet bei einer Klassenmesszahl von 30 eine Lerngruppe, in der Ablenkung von außen eher vorkommt. Kann mein Kind einen ganzen Tag durchstehen oder benötigt es nach sechs Stunden erstmal die Ruhe (ohne Mitschüler/-innen) zu Hause. Die Antwort darauf wird dann, je nachdem, eine Halbtagsschule bedingen oder den anderen Weg einschlagen. Die anwesenden Schulleitungen – ich bin übrigens in dieser Runde der letzte „Übriggebliebene“ aus dem anfänglichen Trio vor neun Jahren – versuchten, den Fokus vom Kind aus grundzulegen, nicht den elterlichen, der natürlicherweise immer zunächst den höchstmöglichen Abschluss, das Abitur, vorsieht. Jeder aber, der das Gymnasium, aus welchen Gründen auch immer, verlassen muss, wird damit ein Gefühl des Versagens aufbauen – das denkbar schlechteste Startkapital für eine neue Schule. Nicht zufällig wurden früher ehemalige Gymnasiasten oft bis in die Hauptschule „durchgereicht“. Der heutige Abend verlief also für die Eltern „anspruchsvoll“, denn er lieferte keine Rezepte, sondern vermehrte die Fragen. Aber die Schulentscheidung liegt nun mal bei den Eltern!  Eine Rückmeldung erreichte mich noch in der Aula: „Schön, dass Sie nicht als Konkurrenzschulen aufgetreten sind, sondern die Besonderheiten jeder Schulform dargestellt haben. Auch wenn ich jetzt als Mutter die Entscheidung treffen muss.“ Klar, wir wollten ja nur Entscheidungshilfen liefern.

Zwei Dinge noch kurz: Anruf im Ministerium, ein Schüler will innerhalb eines besonderen Austauschprogramms nach Kanada. Selbstredend bedarf dies einer nicht unerheblichen Bürokratie. Die zweite nicht, alltägliche Begebenheit: Der ehemalige Bundespräsident Wulff hat nach einem kurzen Gespräch auf der Buchmesse mit unserer Bibliotheksverantwortlichen tatsächlich sein jüngstes Buch geschickt, signiert und mit den besten Wünschen für die Schüler/-innen der IGS Deidesheim/Wachenheim versehen. Es ist zwar noch nicht katalogisiert, aber ich stufe es angesichts der Widmung durchaus als ein besonderes Buch innerhalb unseres Bestandes ein und habe mich gleich als Interessent eintragen lassen.

 

Dienstag, 24. Oktober 2017:

Sollte irgendjemand nochmal in die Situation kommen, eine Dienstliche Beurteilung für mich erstellen zu wollen, ein Anlass fällt mir zwar nicht ein, aber mal gedankengespielt angenommen, so könnte sich dieser Jemand derzeit insbesondere mit meiner Kommunikationskompetenz befassen. Was ich derzeit an mehr oder weniger konfliktbeladenen Gesprächen „hinter mich bringe“, erstaunt mich in der Fülle selbst.

Daneben sind Fragen zu klären, wie wir die Unterrichtsverteilung angesichts der aktuellen Schwangerschaften verändern, wie wir verschiedene Geschäftsabläufe verbessern können, um Zeit und Aufwand zu sparen, wie wir am Sekretariat einen Briefkasten anbringen können (Sind die Türen etwa schallgeschützt? Wenn ja, was bedeutet dies für den anzubringenden Schlitz? Wie muss ein Briefkasten beschaffen sein, damit er die Funktion erfüllt, aber gleichzeitig nicht stört?) und anderes mehr. Ach ja, die Flyer sind rechtzeitig angekommen und – soweit ich das überblicke – fehlerfrei gedruckt worden.

Am Nachmittag leitete ich vertretungshalber die Widerspruchskonferenz in einer zehnten Klasse. Vielen Widersprüchen wurde nun dauerhaft stattgegeben, was wiederum zeigt, dass Elternbegleitung und –mitwirkung durchaus keine leeren Formeln sind.

Hohe Beanspruchung ist derzeit also angesagt, wenngleich die Leistungsdichte noch gar nicht erreicht ist, denn diese Woche stehen auch noch zwei Abendtermine an…

 

Freitag, 20. Oktober 2017:

Wo ist die Woche geblieben? Viele Termine, allein elf Einzelgespräche, zum Teil konfliktträchtig und eigener Unterricht treiben das Eingebunden sein in die Höhe, lassen auf der anderen Seite, durch wenig Muse, die Zeit wie im Flug vergehen. Auch die schnelle Taktung mag dazu beitragen, dass ich Zeit anders wahrnehme als in früheren Jahren.

Gestern Abend kam noch turnusmäßig die Mitgliederversammlung des Fördervereins hinzu. Wie aus der Wundertüte konnten wir einen neuen Kassenwart wählen. Da es eine Mutter ist, muss ich die weibliche Form erst noch suchen. Kassenwartin? Klingt zunächst fremd, scheint aber richtig zu sein.

Eigentlich sollten die in den Ferien bestellten Flyer längst hier sein…nächste Woche beginnt die „Werbephase“ mit den Info-Abenden, da sollten sie dringend hier sein.

 

Diese Tage warteten aber noch mit einer ganz einmaligen Erfahrung auf. Ich durfte einen Blick auf die Rohfassung des YA-Videomitschnittes werfen…und wie ein positiver Geist aus der Flasche, schlug mein Herz höher, unmittelbar sah ich mich in die Halle versetzt, habe das Wochenende nacherlebt und bin noch immer berührt. Viele Eindrücke und Gefühle sind konserviert, der Film und die Fotos sind gelungen und ausdruckstark, entführen mich in die Faszination dieses Wochenendes, wie in einem Zauber gefangen, schaute ich mir den Film der Schülershow gleich zweimal hintereinander an. Mag die Endfassung bei den teilnehmenden Kindern ähnliches bewirken und die Erfahrungen wachhalten!

 

 

Dienstag, 17. Oktober 2017:

Seit gestern weilen französische Austauschschüler bei uns. Zum festen Ritual gehört ein Begrüßungsgespräch beim Schulleiter. Da ich aufgrund meiner nicht linearen Schulbildung nicht über ausreichende Kenntnisse der französischen Sprache verfüge, fanden sich die französischen Kollegen gleich morgens um acht mit einem dolmetschenden Französischlehrer in meinem Büro ein. Es folgte eine interessante Stunde. Und siehe da: Immer wieder hörte ich in den übersetzten Stellen Wörter heraus, die ich verstand. Manchmal konnte ich gar den Sinn vermuten. Immerhin reichte es auch für manchen humorvollen Satz.

Gleich danach machte ich mich an die Durchsicht der neu abgelieferten Abituraufgaben. Schließlich mussten alle Deckblätter die Unterschrift des Schulleiters enthalten, womit die Verantwortung für die Gesamtheit klar allein bei mir festgezurrt ist. Der Packen Papier wandert nun auf die Post und geht per versichertem Einschreiben nach Mainz, wo alle Abituraufgaben bis Freitag vorliegen müssen. Jedenfalls liegen wir voll in der Zeit

Bei den Wechselprüfungen sieht es nicht viel anders aus. Überall, wo später Juristen hineinschauen könnten, herrscht im Vorfeld aufgeregte Akribie, nicht immer verständlich. Also: fehlende Dinge erfragen und nachreichen. Da wir derzeit und auch in absehbarer Spanne keine Referendare für die Realschule plus ausbilden, war zwar kein Wiedersehen, aber ein angenehm menschliches Gespräch.

Ach ja, da habe ich heute einen neuen Kollegen innerhalb eines PES-Vertrages einführen können. Wir sind den Vertrag durchgegangen, ich habe ihn auf die Verschwiegenheitspflicht und Wahrung von Geheimnissen hingewiesen, habe ihm das Antikorruptionsgesetz erläutert und darüber informiert, dass er weder Waffen in die Schule mitbringen, noch Gefangene befreien darf. Manchmal wirkt meine Arbeit wie dem Kabarett entsprungen, skurril und, wenn es nicht real wäre, einem schlechten Roman entsprungen. Ich mache mir dann immer klar, dass solche Anforderungen aber nicht aus „Jux und Tollerei“ erfunden wurden, sondern über einen real notwendigen Hintergrund oder eine Vorgeschichte verfügen, von denen ich nichts nur nichts weiß.

 

Montag, 16. Oktober 2017:

Es waren doch lediglich Waren zwei Wochen Ferien, dennoch: erster Schultag ist erster Schultag, da kulminiert sich vieles auf wenige Stunden. Erstaunlich nahm ich die Postmenge wahr, die sich angesammelt hatte. Mich interessieren dabei in erster Linie die großen weißen DIN A4-Umschläge, denn diese sind, als von den Schulaufsichten stammend, sofort zu erkennen und enthalten wichtige Dienstpost.

Gleich am ersten Schultag fahren die gewählten Mitglieder des Schulparlaments auf die jährliche SV-Tagung. Obwohl es der erste Diensttag des neuen jungen Mannes im Freiwilligen Sozialen Jahr ist, ist er gleich nachgefahren und kann dort als „Mädchen für alles“ segensreich unterstützen.

Zwei Wochen sind auch seit meinem Besuch in der Kreisverwaltung vergangen – da kann man sich ja schon mal telefonisch um den neusten Stand in Sachen Bau unterrichten lassen. Aber: Aus Mainz nichts Neues. Verschiedene Telefonate wegen der Wechselprüfung von vier Kolleg/-innen mit dem Studienseminar. Auch dort wird mit großer Akribie versucht, durch Einhalten der Verwaltungsvorschriften und eines erlassenen Urteils für alle die gleichen Bedingungen herzustellen, was mit den vielen Einzelheiten schon mal als „Erbsenzählerei“ ankommen kann. Aber bereits mit dem schmalen und im Grunde kaum erwähnenswerten Einblick in juristische Sichtweisen kann ich das gut nachvollziehen. Kostet eben Zeit und zusätzliche Feinarbeit im Kleinen.

Und dazwischen – ach so, ja das war ja auch noch – fuhr ich nach Wachenheim zu meinen beiden Musikstunden. Ich konnte sie im Grunde aus dem Effeff halten, denn ich führte die das Lied der Kraniche ein. Es ist ja bald die Zeit, in welcher wir sie mit etwas Glück über den Haardtrand keilförmig hinwegfliegen sehen können. Erstmals (also doch etwas Neues) konnte ich für meine Präsentation, die mit der Aufnahme des Kranichliedes eines Gewerkschaftschores unterlegt ist, eine im Klassenraum angebrachte eine interaktive Tafel aus einer Spende nutzen. Schön, dass am Ende der Doppelstunde das Lied dann mit den Stimmen der fünften Klasse zu meiner Gitarrenbegleitung „live“ zu hören war. Die Klasse hatte bis dahin verstanden, dass ich dieses Lied immer auch als IGS-Lied präsentiere (vgl. dazu Eintrag vom13. November 2009).

Bereits vor den Ferien legten wir fest, dass wir in der heutigen Sitzung die Abituraufgaben formal überprüfen. Bei den betroffenen Kolleg/-innen bestanden die Herbstferien, wie ich mir berichten ließ, zum großen Teil in der Endfassung der Aufgaben für das Abitur 2018. Das schreibt sich schnell, hat es aber in sich. Sind die Inhalte ausgewählt, geht es an die formale Ausarbeitung mit Deckblatt. Darin enthalten sind alle Materialien (also Texte, Grafiken, Fotos usw.), ebenso die Ausformulierung der Aufgaben und des Erwartungsbereiches. Die Tücke steckt auch hier im Detail, denn von Fach zu Fach gibt es Unterschiede. Im Abiturprüfungsschreiben, das jedes in einem Umfang von etwa 80 Seiten an die Schulen geht, ist genau festgeschrieben, was in jedem Fach gefordert wird. Bei dem einen sollen die Anforderungsbereiche bei den Aufgaben stehen, bei den anderen wiederum nur in den Erwartungshorizonten, die einen Fächer verfügen über Lernbereiche, die anderen sollen Bezüge zu den Bildungsstandards enthalten. Diese ganzen Einzelheiten galt es formal zu prüfen, damit dem Ministerium lediglich die inhaltliche Prüfung bleibt. Allein bei uns galt es diese Prüfung in elf Fächern vonstattenging, nicht ausdenken, welche Menge es landesweit zu überprüfen gelte. Hinzu kommt, dass Mängel in der Form gleich an der Schule, noch vor dem Einreichen zu beheben sind. Das hieß für uns: Die Kolleg/-innen noch heute anrufen, fehlende oder ungenaue Angaben zu besprechen. Morgen sollen alle Unterlagen fertig vorliegen.

Ganz schön viel für einen ersten Tag, Schule hat mich wieder voll „im Griff“.