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Nov/Dez 2017

 

Samstag, 02. Dezember 2017:

So um diese Zeit herum fand vor zehn Jahren der erste Tag der offenen Tür der noch nicht eröffneten IGS Deidesheim/Wachenheim statt. Die Spannung damals lag greifbar in der Luft, denn immerhin stellte sich eine Schule vor, die über das Stadium der Planung noch nicht hinausgekommen war. Meine Bewerbung als Schulleiter nahm zum damaligen Zeitpunkt wohl den Weg über verschiedene Schreibtische zwischen Mainz und Trier. Inkognito schlich ich mich damals unter die Besucher. Heute ging also – von allen unbemerkt? - zum zehnten Mal der Tag der offenen Tür über die Bühne. Welch ein Unterschied brachte diese Dekade hervor. Die Schule ist ausgebaut und hat in diesem Jahr zum ersten Mal das Abitur abgenommen, sie hat sich durch überzeugende Arbeit einen festen Platz in der Schullandschaft des Landkreises erarbeitet, hat eine zweite IGS im Landkreis nach sich gezogen, die bereits auf das erste Abitur zugeht. Vieles, was heute an Angeboten zu sehen war, ist bereits ritualisiert und bedarf nur noch der Vorbereitung weniger, der SFV (Superförderverein) weiß, wo und was zu tun ist und hat dafür eigene Strukturen entwickelt.

Die vielfache Frage nach der Beteiligung lässt sich letztendlich wieder einmal nicht genau beantworten. Alle zwei Jahre, wenn die fünften Klassen im Untergeschoss ihren Heimatbereich haben, ist die Beteiligung im Obergeschoss nicht oder nur verzerrt wahrnehmbar. Einziger vergleichbarer Hinweis auf den Besuch ist der Umsatz beim Kuchenverkauf – und der ist mit den letzten Jahren vergleichbar. Mein Fazit: Die Schule hat sich gut dargestellt, Schüler/-innen und Kolleg/-innen ist es wieder einmal gelungen, die Schule pädagogisch und atmosphärisch realistisch und damit werbewirksam darzustellen. Daher soll am Ende dieses Tages mein dick unterstrichenes DANKE an alle stehen, die heute, in welcher Funktion und mit welchem Beitrag auch immer, den Tag so erfolgreich gestaltet haben.

 

Mittwoch, 29. November 2017:

Eigentlich wollte ich für den anstehenden Tag der offenen Tür nur das Konzeptheft aktualisieren, fand aber die Datei „Pädagogisches Konzept 2016“ nicht auf dem PC. Auch die Sicherheitskopien zu Hause auf den externen Festplatten verfügten darüber nicht. Wir konnten aber genau nachvollziehen, dass und was wir im vergangenen Jahr verändert bzw. auf den neuesten Stand gebracht hatten. Sollte uns damals dieser Anfängerfehler unterlaufen sein und vor dem Schließen nicht gespeichert zu haben? Aber weg ist weg. Da blieb nur eins: Die Version aus 2015 nehmen, restaurieren, ergänzen oder völlig neu schreiben, denn einen Ausdruck hatte sich in meinem Schrank erhalten. So kann es gehen und meine Oma bestätigt sich nach Jahren erneut: „Es ist keine Arbeit so überflüssig wie die, die man sich selbst macht!“

Die bestellten DVDs der Young Americans haben in Wachenheim ihre Eigentümer gefunden und siehe da: sie ziehen weitere Bestellungen nach sich, seien es Nachzügler oder „Neu-Angeregte“. Wer weiß, vielleicht erreichen wir die Zahl hundert?

Noch etwas möchte ich festhalten. An den Wänden vor dem Kunstsaal im Fachtrakt gibt es Neues zu sehen. Zunächst beeindruckten mich die Motive: ausschließlich Kirchengemäuer der Gotik mit den typischen Spitzbögen. Allerdings, so ergab der zweite Blick, muss es sich um die Frühgotik handeln, denn die Linien streben optisch nicht nur in die Höhe, die Gemäuer wirken immer noch „breithüftig“ romanisch. Einen Raum erkannte ich gar: Das Refektorium im Kloster Maulbronn. Wer einmal in diesem herrlichen Raum stand, wird – ja ich schreibe das bewusst – diesen himmlisch harmonisch wirkenden Raum mit dem einzigartigen Deckengewölbe und den Säulen nicht mehr vergessen. Ich erkundigte mich sogleich: Es handelt sich um so genannte Kaltnadelradierungen aus dem Kunstunterricht der Oberstufe. In eine transparente Kunststoffplatte wird ein darunter liegendes Motiv geritzt. In die dadurch entstandene kleine Rille fließt später die Farbe und überträgt sich auf das dann aufgelegte Papier. Gleich morgen werde ich den Fotoapparat mitnehmen. Ich will diese Radierungen nicht nur im Kopf konservieren.

 

Dienstag, 28. November 2017:

Eben habe ich den Computer suchen lassen: Bereits an neun Stellen hat er das Wort  „Wechselprüfung“ in Schulleiters Tagebuch gefunden…heute nun war es soweit. Vier Kolleg/-innen wurden in jeweils zwei Stunden besucht, mussten jeweils zwei Anhörungen über sich ergehen lassen, zu einer mündlichen Fachprüfung antreten und eine Unterrichtseinheit präsentieren. Dazu war ein ausgetüftelter Zeit- und Raumplan notwendig: am Vormittag mussten die entsprechenden Klassen in genau diesen Fächern der Kolleg/-innen und zu diesem Zeitpunkt unterrichtet werden, was einen stark veränderten Stundenplan notwendig machte, zusätzlich mussten am Nachmittag vier parallele Prüfungsräume und für den ganzen Tag ein durchgehend nutzbarer Aufenthaltsraum für die angereisten acht Fachleiter, den Prüfungsvorsitzenden und die zwei Vertreter des Studienseminars bereitgestellt werden. Wenn es dick kommt, kommt meist noch was hinzu: Zur Überprüfung einer Kollegin, die sich für den Auslandsschuldienst beworben hat, war zusätzlich die Schulaufsicht im Hause und am Nachmittag sagte ich einen zusätzlich Klassenraum für das Kolloquium zur Besetzung der Stelle eines regionalen Fachberaters zu. Sprich: Ein Hammertag! Eine ganze Kiste von Eindrücken könnte ich heute anfüllen, seitenweise von Gedanken schreiben, die mir heute durch den Kopf gingen, denn der Schulleiter musste meist anwesend sein, zeitweise war ich auch Mitglied der Prüfungskommission, aber so viel Zeit zum „ungestörten Erleben“ finde selten an einem Tag. Zwei Erfahrungen möchte ich dennoch notieren. Zum einen freute es mich sehr, dass in mehreren Anhörungen die Nähe der Kolleg/-innen zu den Schüler/-innen und die Atmosphäre des Unterrichts hervorgehoben wurde – ein Qualitätsmerkmal, das so selten „abgefragt“ wird und doch so entscheidend ist. Die zweite Erkenntnis hat sich zwar für die Prüflinge heute eher negativ ausgewirkt, ist mir aber für die Schule von besonderer Bedeutung. In mindestens drei Stunden, bei denen ich anwesend war, kam Zeitdruck auf. In der Anhörung wurde der Grund so formuliert: Wir sind es gewohnt, in Doppelstunden zu denken und zu arbeiten. Das klingt zunächst seltsam und von einer geringen Tragweite. Für mich, der den 45-Minuten-Rhythmus einer Schule schon öfter kritisiert hat, weil er so beliebig gesetzt ist und Inhalte nach der Uhr taktet, scheint die Sonne bei solchen Aussagen. Auch eine Erfahrung, die im Alltag kaum einer macht, geschweige denn wird sie auch noch geäußert. Also soll sie hier stehen. Ganz unabhängig von den Prüfungsergebnissen (alle vier haben mit guten bis sehr guten Noten bestanden), war es ein nicht nur zeitlich beanspruchender, sondern auch einer der Freude darüber, dass unsere Schule ist, was sie ist. Auch im Rückblick ein schönes Gefühl.

 

Freitag, 24. November 2017:

Huch, die Woche ist schon wieder um und ich hab es gar nicht gemerkt. Dabei war doch viel los oder gerade deswegen. Einige mehr oder weniger amtliche Gespräche, denn der Vorlauf für das Beförderungsverfahren zum 18. Mai 2018 kommt in die entscheidende Phase. Früher, als es noch die so genannte Regelbeförderung gab, war man eben dran oder noch nicht. Inzwischen muss eine Auswahl getroffen werden, denn längst sind nicht mehr so viele Stellen im Haushalt eingeplant, sie es Bewerber/-innen gibt. Gemessen an den Gymnasien, wo teilweise 20 bis 30 Kolleg/-innen „in der Warteschleife“ stehen, verfügt die IGS dabei eher über ein kleines Häufchen. Damit diese wenigen aber nicht chancenlos sind, wurden drei Sektoren eingeführt: Im Sektor eins haben wir noch eine Beförderung bekommen, das sind die Haushaltsstellen, die direkt zugewiesen werden. Auch in diesem Jahr gehen wir da leer aus. Im Sektor zwei sind besonders befähigte Kolleg/-innen zu nennen, die außerhalb des ersten Sektors sich verdient gemacht haben. Dazu müssen zwei Dienstliche Beurteilungen mit mindestens der Stufe A mit 14 Punkten vorliegen. Die formal berechtigten Kolleg/-innen können entscheiden, ob sie beim Beförderungsverfahren mitmachen oder nicht. Im dritten Sektor, da kam unsere Schule im zweiten Jahr des Bestehens zum Zuge, können „nicht an der Schulde anwesende Kolleg/-innen“ zu Oberstudienräte befördert werden. Damals hatte eine Kollegin in Erziehungszeit das Glück. In jedem Fall ist eine Reihe von Gesprächen notwendig. Die Zeit drängte, denn bis zum 1.12. muss alles bei der Schulaufsicht in Trier eingegangen sein – da war ich wieder spät dran und kam unter Zeitdruck. Heute dazu ein Unterrichtsbesuch im Leistungskurs Biologie. Zum ersten Mal - und sichtlich beeindruckt - sah ich beim Blick durch das Mikroskop die Zellen der Zwiebelhaut. Plasmolyse und Deplasmolyse waren das Thema heute. Gelernt habe ich folgendes: Plasmolyse ist der durch die Osmose verursachte Wasserentzug aus einer Pflanzenzelle, der möglich ist, weil die Zellmembran für Wasser in einer Richtung durchlässig ist. Zumindest für die Gartenarbeit fiel mir ein praktisches Beispiel dazu ein: Unsere Tomaten gießen wir immer von unten. Von oben gegossen würde Wasser eindringen und die Außenhaut sprengen.

Gestern konnte ich beim Start des „Blaudes-Projektes“ mitwirken. Dazu bedarf einiger Erläuterungen. Bereits im vergangenen Jahr erhielt der Landkreis die Anfrage vom Landesverband der Siniti und Roma, ob es in seinem Bereich eine Schule gäbe, die für dieses Projekt in Frage käme. Ich erhielt einen Anruf, dass der Landkreis sich gut die IGS Deidesheim/Wachenheim vorstellen könne. „Sie haben doch schon einige andere Projekte an der Schule realisiert, da würde das doch passen. Der Kreis würde die Kosten tragen“. Eine Kollegin hatte ich bereits während des Telefonates im Hinterkopf und tatsächlich sagte sie zu mit „medien+bildung.com“ dieses Tanzprojekt zu realisieren. Zunächst hatten wir einige Schwierigkeiten, Schüler/-innen dafür zu gewinnen, denn in der Ausschreibung kam der Begriff „Kopftuch“ vor. Dies hatte zunächst eine hemmende Wirkung ausgelöst. Dabei geht es vielmehr darum, in Tanz- und Videoeinheiten zu erarbeiten, welche Gefühle in der Begegnung mit anderen Kulturen, anderen Lebensweisen, fremden Gebräuchen aufkommen und wahrgenommen werden – letztlich also um Toleranz. Um dem Projekt ein besonderes schulisches Gewicht zu verleihen, sollte der Schulleiter beim Start dabei sein und die Mädchen mit einigen Worten zusätzlich (oder überhaupt?) zu motivieren. Immerhin geht es um ein Thema, dessen Relevanz fast täglich auch in der Schule zu greifen ist. 

 

Freitag, 17. November 2017:

Gestern Abend ging die „Werbetour 2017“ für unsere Schule mit dem Infoabend „Was ist eine IGS?“ zu Ende. Obwohl wir inzwischen fest in der Schullandschaft verankert sind, ist diese Veranstaltung für immerhin einhundertzwanzig Eltern wichtig gewesen. Wir haben die Präsentation erneut verbessert, mit neuen, aussagekräftigeren Fotos bestückt und die Folien zum Teil auch anders angeordnet, Ob es jemals dazu kommen wird, eine Version aus dem Vorjahr zu verwenden? Ich glaube nicht, denn so, wie die Schule sich lebendig verändert, kommen auch die Ideen zur Präsentation in jedem Durchgang neu hinzu. Veränderungen für das nächste Jahr habe ich schon geordert, denn zum Teil stammen meine Fotos noch aus dem Gründungsjahrgang. Also habe ich heute bei Kolleg/-innen nachgefragt, ob ich neuere Fotos haben könnte, andere wiederum haben wir uns vorgenommen, das Jahr über erst gezielt zu machen. Parallel dazu ging der Info-Abend für externe Interessenten für die Oberstufe über die Bühne. Bin gespannt, wie dieser verlaufen ist.

Gestern Morgen habe ich in der zweiten Klasse das Rap-Huhn eingeübt. Das rhythmische Sprechen in der Klasse gestaltete sich gar nicht so einfach und die Karaoke-Version von der CD klappte noch gar nicht. Wenn ihr das für die Begrüßungsfeier der kommenden Fünftklässler einüben wollt, müssen wir da vielleicht methodisch nochmal verändert ran. Aber wenn ihr wollt, wird das klappen. Zuvor: „Der Herbst ist da!“ – für manche ein Grundschullied, aber mit den (ungewöhnlich versetzten) Einsätzen der selbstgebastelten Schellengabeln eine Herausforderung. Auch hier müssen wir weiter dranbleiben. Auf Wunsch der Klasse begleitete ich das Lied mit der Ukulele. Nein, das ist keine Spielzeuggitarre, sondern ein richtiges Instrument. Daraus erwuchs gleich die Aufgabe, sich damit zu befassen und eine Seite für die Musik-Mappe zu gestalten. Ja, als Info kann Wikipedia genutzt werden, aber ich will keine kopierten Texte lesen. Bitte fasst die Inhalte zusammen und formuliert sie vor allem selbst. Wikipedia kann ich selbst aufrufen und dort lesen. Eure Texte sind aber einmalig und sie kennen zu lernen freue ich mich.

Ansonsten wollte ich heute den Schreibtisch zu seinem Recht kommen lassen, doch viele Unterbrechungen wurden im Sekretariat nebenan eingeleitet mit den Worten: „Ist Georg da? Hat er gerade Zeit?“ Die Bestellungen der YA-DVD hat die Zahl fünfzig überschritten. Welch schöne Erinnerung werdet ihr da zahlreicher als erwartet erhalten. Prima!

Und so geht wieder eine eindrucksreiche Woche zu Ende, denn längst habe ich hier nicht alles notieren können. Erst langsam, wenn überhaupt werden all die anderen Erlebnisse und Ereignisse dieser Woche an mein Ohr dringen…

 

Mittwoch, 15. November 2017:

Ein weiterer Tag mit „Dienst am anderen Ort“: Die Dienstbesprechung der Schulleiter mit der Schulaufsicht am Vormittag und an gleicher Stelle am Nachmittag das Netzwerktreffen der IGS-Schulleiter mit dem Ministerium. Dieses Mal war ich der Nutznießer der Tagungsstätte, denn ich musste lediglich an die IGS im nahen Grünstadt fahren.

Der Vormittag gestaltete sich dann eher trocken (ohne Kraniche!) und gemächlich mit Themen wie: Rückblick auf die Gliederungspläne, die Veränderung der Schülerzahlen, Übersicht über die Verwaltungsvorgänge bei Versetzungen (im Länder- und Bezirkstausch und die Zahl der internen Maßnahmen, ebenfalls die der schulscharfen Einstellungen), beim Punkt „Umgang mit Medien“ hatte es meine RTL-Aktion bis auf die heutige Tagesordnung einer Dienstbesprechung geschafft.

Mittags dann im Netzwerk mit dem Ministerium ging es um die Neuregelungen aus der kommenden Übergreifenden Schulordnung, die Verwaltungsvorschrift zum Wahlpflichtfachbereich (das hatte unsere Schule bereits zum Thema einer Dienstbesprechung gemacht) und anderes mehr. Erneut ergibt sich der zentrale Gewinn beider Veranstaltungen aber durch die Pflege der Kontakte und des Austauschs untereinander. Nachfragen und Diskussionen bedingten, dass wir das geplante Zeitgerüst überzogen, so dass ich, des Sitzens und Zuhörens überdrüssig, erst „im Dunkeln“ heimkam.

 

Dienstag, 14. November 2017:

Schriftlich, in einem Umschlag mit rotem (!) Stempel angekündigt, ein sozusagen „staatstragendes“ Datum, an welchem ein Schulleiter mit seiner Eigenschaft als beamteter Diener desselben gefragt, verpflichtet und zur pünktlichen Erledigung aufgefordert ist: Themeneröffnung für die Wechselprüfungen, nur heute zu vollziehen und die Bekanntgabe der Prüfungsthemen gegen Unterschrift eines jeglichen Prüflings mit heutigem Datum beglaubigen zu lassen und den Vollzug unmittelbar persönlich zu melden – Notwendigkeiten eines Systems, in welchem die Bedeutung der Juristen ins schier Unermessliche zu wachsen scheint!

Ich konnte es nicht lassen, die heutige Gesamtkonferenz mit der Liedpräsentation „Die Kraniche fliegen im Keil“ zu eröffnen. Zum einen befassen wir uns ständig mit mehr oder weniger trockenen Inhalten, mit Themen, Terminen und Entscheidungen, machen im Alltag viel zu wenig „Halt zur Muse“– das wollte ich mit diesem Impuls durchbrechen. Um mich nicht zu verunsichern, redete ich vorher mit niemandem darüber, wollte keine Hemmnisse oder Skeptiker hören. Angereichert mit meinen diesjährigen Fotos und Videoclips und einem nicht gekannten „satten“ Sound durch die Beschallung der Deckenlautsprecher in der Mensa startete die Konferenz einmal nachdenklich und mit einer Stärkung des IGS-Gedankens. Nun warte ich mal getrost auf Rückmeldungen, wie diese zweieinhalb Minuten des Innehaltens ankamen. Ich denke, innerhalb von zwei Stunden Konferenz sollte dieser kleine Zeitabschnitt möglich und gewinnbringend sein.

Es schlossen sich dann genau die reichhaltigen (und zum Teil trockenen) Themen an, die eine solche Konferenz so oft konstituieren: Verwaltungsvorschrift zu Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten, Lernstanderhebung mit der so genannten Hamburger Schreibprobe, Bericht der Steuergruppe zum Thema Differenzierung, Informationen zum Datenschutz, zu den einzelnen Schülerbegegnungen mit Jena, Gießen, Cuisery, ebenfalls zu den Young Americans, Präsentation zur Bildung eines neuen Präventionsteams und dergleichen mehr – der erwähnte zeitliche Ritt gelang: beim Schließen der Konferenz zeigte die Uhr 16.08 Uhr. Fazit: Es war in meinen Augen eine der gelungenen Gesamtkonferenzen mit reichlich Inhalt und bis auf zwei Situationen eine in angenehmer Atmosphäre.

 

Freitag, 10. November 2017:

Holla, die Waldfee! Ein erster Termin für November 2018 (!) schneite heute in meinen Kalender: Der Lionsclub Deidesheim hat mich angefragt, ob ich mich zum Thema „Beruf heute“ mit verschiedenen Maßnahmen der Schule auf dem Weg in den Beruf als Gastredner vorstellen könnte. Mache ich gerne. Zum einen führt dieser Einsatz zu einer bilateralen Kooperation, die Schule empfängt nicht nur jährlich die Unterstützung, und zum anderen habe ich ja noch ein Jahr Zeit, mich darauf vorzubereiten. Öfter mal was Neues oder: „Das gibt’s nur einmal, das kommt nie wieder“, wie ich es in dem Lied mit Marlene Dietrich diese Woche gehört habe.

 

Donnerstag, 09. November 2017:

Kurz vor acht Uhr traf ich auf die beiden Mitglieder des Landtages und begleitete sie auf dem Weg zur Mensa. Wie in jedem Jahr standen auch heute zwei Programmpunkte dieses speziellen Gedenktages an: Politiker erinnern im Gespräch mit Schüler/-innen an die geschichtlichen Hintergründe, die dieses Datum in sich vereinigt: Reichspogromnacht und Öffnung der Mauer zwischen den beiden deutschen Staaten. Gleichzeitig fand sich ein ortsansässiger Politiker in der Schule ein und führte eine Gruppe von Schüler/-innen in die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Deidesheim ein, bevor sie dann gemeinsam dorthin aufbrachen, um diese Stätte des Gedenkens, aktiv pflegend, „winterfest“ zu machen. Das Treffen in der Mensa erlebte ich „live“ mit, das Erlebnis auf dem jüdischen Friedhof musste ich mir erzählen lassen – für mich immer noch einer der wichtigsten Anlässe im Schuljahr, auch – oder gerade weil - er sich unspektakulär und ohne große Öffentlichkeit das Schulkonzept umsetzt.

Ein dritter erwähnenswerter Termin brachte einen „fremden“ Referenten der Schulaufsicht nach Deidesheim. Die Bewerbung auf eine Funktionsstelle bringt immer ein Auswahlverfahren mit sich: Besuch und Beratung eines Kollegen hinsichtlich einer Unterrichtsstunde, Leitung einer Konferenz und anschließend ein Kolloquium – immer an der Schule der/des Bewerber/-in. Viele Gäste also, die mit den je eigenen Terminen meinen Tag strukturierten. 

 

Mittwoch, 08. November 2017:

Auch in der dritten Musikklasse hängen die Kraniche jetzt in keilförmiger Formation an der Decke und bieten einen reizvollen Blickfang beim Singen. Zum ersten Mal mussten wir das noch vorhandene Mobile zunächst von den alten Papiervögeln „befreien“ – tatsächlich haben sie sich über zwei Jahre in diesem Klassenraum erhalten. Davon gibt es eine berührende Beobachtung zu erzählen: Die Kinder, mit ihren eigenen, neu in diesem Schuljahr gefalteten Kranichen wollten partout nicht, dass wir die alten einfach wegwerfen und sie durch ihre neuen ersetzen. Fast zärtlich nahmen sie die alten Kraniche in die Hand, steckten sie in ihre Schultaschen oder hängten sie zusätzlich an das Holzgestell. Nur wenige „verletzte“ Vögel landeten im Papierkorb – wunderbare Augenblicke! Nie herrschte in den letzten zehn Jahren meines Musikunterrichts eine solche Intensität beim Erlernen dieses Liedes wie in diesem Jahr  – auch mich selbst hat der diesjährige Kranichflug besonders beflügelt.

Abends im Schulelternbeirat ging es unter anderem wieder um den stagnierenden Bau. Der Rat beschloss einen Brief an den Landrat zu richten, um die Dringlichkeit auch von Seiten der Elternschaft zu bekräftigen. Grundaussage ist keine Schuldzuweisung an den Kreis, sondern die Bitte, sich verstärkt für eine Lösung der Probleme im Vergabeverfahren einzusetzen, gerne Hand in Hand mit der Elternschaft der Schule. Der Wille zum Gang in die Öffentlichkeit ist dabei durchaus geäußert worden. Fantasievolle Aktionen würden uns da schon einfallen…noch halten wir sie aber im Köcher.

 

Dienstag, 07. November 2017:

Seit geraumer Zeit mal wieder ein Außentermin, wie „früher“, als ich noch im Sprecherteam war, ein Termin der Direktorenvereinigung der IGS-Schulleiter, genannt „Jahreshauptversammlung“ – klingt schon etwas „aufgeblasen“, auf der anderen Seite habe ich jüngst die Bilder vom Kongress der kommunistischen Partei in China gesehen. Dagegen sind die Bilder von heute natürlich gar nicht aufgeblasen und freilich sehr überschaubar. Die Schulleiter/-innen reisten dieses Mal in den Hunsrück nach Morbach, so dass die Belastung durch die (weiten) Wegstrecken in den Süden, welche die „Nordlichter“ sonst zu bewältigen haben, wegfiel. Ich hatte es schon des Öfteren erwähnt: Wenn es so etwas wie Wiedergeburt geben sollte, habe ich in einem früheren Leben im Hunsrück gelebt. Irgendwie sind mir diese eher karge Landschaft, diese vergleichsweise einsame Gegend und das „herbe“ Klima sehr nah. Wenngleich ich durch die 25 wunderbaren Jahre an der lieblicheren Weinstraße heute ein weit zurückliegendes Gefühl reaktivieren musste. Aber es war sofort wieder wach, als ich durch den herbstlich bunten und nebeligen Wald fuhr. Morbach verfügt nicht über einen nahen Autobahnanschluss, so dass ich einige Kilometer über schmale Landstraßen durch Waldgebiete fuhr, auf vereinzelten Lichtungen entdeckte ich gar den ersten Raureif, bis ich die IGS Morbach in einer ganz eigenen Stimmung erreichte. Bei der Begrüßung durch den dortigen Schulleiter spann sich ein zusätzlicher Faden zu mir: Dass der Regisseur Edgar Reitz in einem Morbach im Hunsrück geboren wurde, wusste ich irgendwie, aber ich realisierte nicht, dass ich heute genau dort hinfuhr. Wie leidenschaftlich verfolgte ich in den achtziger Jahren dessen Serie „Heimat“, deren erste Staffel die Chronik der Familie Simon aus dem (fiktiven) Hunsrückdorf Schappach durch die Jahre 1919 bis 1982 episch ausgebreitet, ohne schnelle Schnittfolgen und weitgehend in schwarz-weiß gedreht. Viele der Reitzschen Bilder, Szenen und Sätze erinnerten mich an meine eigene Großmutter, die ich nur in den typischen, kleingemustert schwarzen Kleidern und Kitteln erlebte, die ihre langen, grauen Haare, stets zu einem dünnen Zopf gebunden, um den Kopf herumlegte und die ebenfalls aus dem Hunsrück stammte. Zum Verständnis meiner Begeisterung für diese Chronik gehört nicht nur die eigene Biografie ab dem Jahr 1956, sondern auch die eigene Familienchronik, die mit ihren Geschichten und Erzählungen auch in die Zeiten davor zurückreichten und ebenfalls vom ersten Weltkrieg handelten und auch von den „kaputten“ Heimkehrern aus dem zweiten Weltkrieg. Zur Zeit der Ausstrahlung der Serie selbst in einem Ausläufer des Hunsrücks wohnend, besuchte ich seinerzeit auch die Drehorte in Gehlweiler und Woppenroth im Hunsrück…Was einem auf so einer Fahrt alles durch den Kopf geht…

Inhaltlich war der Tag aber gleichfalls reichhaltig gefüllt. Die stark gewachsene Anzahl von Gesamtschulen bedingte auch die größere Gruppe der Direktorenvereinigung. Ich berichtete schon mehrfach darüber. Inzwischen, so stellten wir heute fest, haben die Schulleiter/-innen der Vereinigung eine arbeitsfähige Struktur mit Regionalgruppen, einem Sprecherkreis oder Vorstand und mit festgelegten Beschlusswegen gegeben. Neben dem von mir geschätzten Wiedersehen und Kaffeegesprächen ging es heute auch verstärkt um Probleme in Sachen Schwerpunktschule (mit der Verabschiedung einer Beschlussvorlage), Berichte der Sprechergruppe und deren Gespräche im Ministerium und Schilderungen aus der Arbeit der Regionalgruppen usw. Zwei Arbeitsgruppen wurden gebildet in Sachen Ausbildung von Referendaren mit dem Lehramt für Gymnasien und zur Problematik dislozierter Standorte – beides gerade Thema von Diskussionen an unserer Schule, so dass ich mich zur Mitarbeit meldete.          

Ein reichhaltiger Tag also, der das Versäumen einer Dienstbesprechung rechtfertigte, die ohne mich zum Thema Wahlpflichtfächer in der Schule stattfand.

 

Montag, 06. November 2017:

Der Kranichflug wurde auch von Schüler/-innen in der heutigen Musikklasse beobachtet. Ganz stolz erzählten sie von ihrem Blick gen Himmel. Das als Dreieck gestaltete Gestell hat in diesem Klassenzimmer die zwei Jahre überdauert und wir mussten nur die neu gefalteten Kraniche daran befestigen.

Die DVD des diesjährigen Workshops ist fertig, das heißt: Da in diesem Jahr mit zwei Kameras gefilmt wurde und in einem mir geheimnisvoll erscheinenden Verfahren die beiden Filme „übereinander liegen“, aber immer nur Ausschnitte aus einem zu sehen sind, wurden es gar zwei silberne Scheiben. Es ist wohl die schönste Dokumentation der bisherigen vier Workshops, weil auch hunderte ausdrucksstarker Fotos mitgebrannt wurden. Ganz wunderbar und deshalb: Vielen, vielen Dank von dieser Stelle aus der „Produktionsfamilie“, den planen, filmen, schneiden, brennen, Hülle falten…alles in einer Hand. Eine herrliche Erinnerung, die jetzt von den Teilnehmer/-innen bestellt werden kann. Bin mal gespannt, wie viele „über die Theke“ gehen werden.

Auch der Schreibtisch kam zu seinem Recht heute: Der Terminplan der Wechselprüfungen ging ein und musste verteilt werden. Das wird für mich ein strammer Tag werden, denn als Schulleiter bin ich von acht bis 15 Uhr als Mitglied der Prüfungskommission eingespannt. Ebenfalls auf meinem Programm heute: Elternbrief zum Tag der offenen Tür mit der Bitte um Mithilfe und Spenden, er musste geschrieben, kopiert und verteilt werden – und die Einladung zur Gesamtkonferenz musste noch termingerecht mit Tagesordnung heute raus. Es haben sich wieder neuen Punkte angesammelt – noch ein zeitlich enger „Ritt“.

 

Donnerstag, 02. November 2017:

Die Kraniche lassen nicht locker. Im Lokalteil der Tageszeitung erschien heute ein Bericht über den Kranichzug über Bad Dürkheim. Ein ortsansässiger Ornithologe wird darin mit der Aussage erwähnt, dass dieses Ereignis eine große Besonderheit darstelle. In meinen Musikklasseturnusmäßig das Aufhängen der Papierkraniche an. Da passten meine Fotos und Videoclips, ausgemalt mit meinen Eindrücken, prächtig dazu. Bedeutungsvoll berichteten auch einige Schüler/-innen davon, dass sie die Kraniche am Montag gesehen hätten und beschrieben die V-Formation. Da hat Schule doch einen Sitz im Leben. Auch Kolleg/-innen erzählten mir von ihren Wahrnehmungen, seien es die Rufe der Schwärme nachts oder auch den Vogelzug selbst. Auch hier im Tagebuch hatten einige davon gelesen. Ein Schüler wurde zitiert mit den Worten: „Lernt eigentlich alle, die Herrn Dumont in Musik haben, das Lied von den Kranichen?“ Oh ja, und jetzt, da ich den Vogelzug erstmals „live“ von unserem Garten aus erlebt habe, mit noch mehr Leidenschaft. Auf der NaBu-Seite fand ich auch weitere Hinweise: Ja, der Kranichzug spielt sich oft in wenigen Tagen ab. Zigtausende Kraniche sammeln sich an bestimmten Rast- und Schlafplätzen. Irgendwann kommt spürbar Unruhe in die ratenden Vögel und wie auf ein heimliches Kommando starten sie ihren Flug in den Süden:

„Meist erfolgt der Zug an wenigen Zugtagen mit optimalen Bedingungen für einen sogenannten Massenzug. Hochdruckwetterlagen und Rückenwind begünstigen solche Massenzugtage.“ (ebda.)

Nun aber gut, es gab natürlich auch Dienstliches zu erledigen. Heute lag die Zeitspanne von vier Stunden vor, innerhalb derer die Schulleitungen die zentral gestellten Aufgaben für die letzte Leistungskurs-Klausur vor dem Abitur herunterladen mussten. Das gleiche Spiel wie im vergangenen Jahr: zweiteiliger Passwortschlüssel zusammenfügen, Datei direkt nach dem Runterladen vom Computer löschen, Entzippen usw. Dabei empfand ich viel weniger Anspannung, als im letzten Jahr. Alles schon da gewesen. Ob sich das mit dem zweiten Abitur ebenfalls so entspannt anfühlen wird. Schauen wir mal.

Donnerstag ist immer auch der Tag meiner zwei Standortwechsel, denn ich habe „mir“ zwei Mittagspausenaufsichten in Wachenheim in den Plan legen lassen. Zum einen komme ich dadurch enger in Kontakt mit den Schüler/-innen, die Musik mir haben, zum anderen will ich auch mitmachen, was viele Kolleg/-innen an einer dislozierten Schule machen müssen: mehrmals den Standort zu wechseln. Während die einen mit irgendwelchen Ballspielen auf dem Hof beschäftigt sind, sammeln andere gerne „um den Schulleiter“ und „reden ihm das Ohr blutig“. Da schließt sich wieder der Kreis von heute Morgen, denn selbstredend waren die Kraniche schon wieder (oder immer noch) ein Thema. Seit neun Jahren ist das Lied Bestandteil meiner Musikstunden – aber ein solcher „Hype“ ist noch nie damit einhergegangen. Genau genommen bestätigt sich darin erneut eine Berufsauffassung: Mit Kindern und Jugendlichen ist es nie langweilig, ständig begegnet man bisher Ungewohntem, was dann wiederum schnell abgelöst wird. Die „Fidget Spinner“ sind bereits wieder out, heute waren die Zugvögel dran. Wie lautete eine Artikelüberschrift aus dem Jahr 2008: „In den Klassen pulsiert das Leben!“ (siehe Presseordner auf unserer Homepage).

 

Mittwoch, 01. November 2017:

Etwas enttäuscht oder besser: fast traurig, war ich gestern schon. Gespannt wartete ich, spitzte die Ohren, ging immer mal wieder raus… aber der Himmel blieb ruhig und leer, keine Trompetentöne weiterer Kraniche zu hören, keine V-Formation zu sehen. Spielt sich das ganze Schauspiel wirklich nur binnen 24 Stunden ab? Hatte ich deshalb an bisher berufstätigen Tagen vergangener Jahre den Kranichzug nicht miterlebt? Im Internet habe ich von verschiedenen Routen über Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland Pfalz gelesen. Bad Dürkheim ist zwar nicht genannt, aber eine westliche Route führt über Südhessen über Worms nach Neustadt und Germersheim. Immerhin liegt da meine Stadt irgendwie auf der Strecke. Auf einer „Kranich-Karte“ für Europa machte ich den nächsten Rast- und Ruheplatz auf dieser Route am Lac du Der-Chantecog in der Champagne aus. Der dortige See wurde als Hochwasserrückhaltebecken künstlich angelegt und hat sich, auch wegen der Mais- und Gerstenfeldern, zum Rastplatz für Kraniche und andere Zugvögel etabliert. Laut Kranichflug.de rasteten dort am 31. Oktober ca. 35.000 Vögel. Da waren, von der Route her betrachtet, die „Bad Dürkheimer“ sicher mit von der Partie.

Die Seite des Naturschutzbundes stellte sogar eine Verbindung zum „Lied der Kraniche“ her. Nun kann ich die Frage einer Schülerin sachkundig beantworten: „Ist das bei den wirklichen Kranichen auch so oder nur im Lied?“:

 „Im Flug bilden Kraniche eine V-förmige Formation mit kräftigen, erfahrenen Tieren an der Spitze. Es folgen Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei konstanten Flugbedingungen könnten die Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. Sie legen aber oft eine Pause ein und manches Mal hält sie schlechtes Wetter und Nebel tagelang am Boden.“ (Herbstzug der Kraniche; www.NaBu.de)