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Juli bisAug 2013

 

Freitag, 30. August 2013:

Gestern fand ich mich in zwei wichtigen Vorbereitungsgesprächen wieder: Eines zum Thema Oberstufe. Was sind die nächsten Schritte? Wann und wie soll die „Werbung“ dafür laufen? Welche Konzeptpunkte sind noch zu stemmen? Wann tagt die Konzeptgruppe zum nächsten Mal? Das andere: Ein erstes Zweiergespräch zu den „Young Americans“. Hier können wir auf bewährte Strukturen und Kenntnisse zurückblicken. Ablauf, „Knackpunkte“, Engpässe und Organisation sind uns ja bekannt. Meine Aufregung und Vorfreude, die auftauchenden Bilder, Stimmungen und Gefühle zeigten mir erneut, welche Wirkung der letzte Tanzworkshop auch bei mir hinterlassen hat. Genau das macht den Einsatz doch lohnend.

Der letzte Vertretungsvertrag kam heute auf dem Postweg an, so dass wir ab Montag mit zweiwöchiger Verspätung mit der vollzähligen Mannschaft starten können. Damit endet eine in diesem Jahr komplizierte und langwierige Personalplanung. An eine anhaltende Mindesthaltbarkeit will ich noch nicht recht glauben. Und per Mail kam der Hinweis, dass die elektronischen Gliederungspläne zum Runterladen bereit stehen. Ich habe mir verbindlich vorgenommen, diese nicht nochmal unter Zeitdruck zu bearbeiten. Alle Lehrer-, Anrechnungs-, Anspar- und Entlastungsstunden sind darin penibel einzutragen. Und das bis 13.9 um 12 Uhr. Ich wünsche mir selbst Erfolg dabei angesichts eines prallen Terminkalenders!

Heute nun unternahm ich „die erste Reise“ im neuen Schuljahr, die sieben Standortwechsel dieser Woche sind ja dem Alltag zuzurechnen. Ich fuhr an die IGS in Osthofen, wo sich die Sprechergruppe der IGS Direktorenvereinigung traf, um die Dienstbesprechung mit dem Ministerium vorzubereiten. Zu dieser werde ich am Mittwoch meine „zweite Reise“ nach Mainz antreten. Die Tagesordnung weckte das Bedürfnis des Nachjustierens. Mal sehen, ob wir da noch etwas erreichen können.  

 


 

Mittwoch, 28. August 2013:

Meine ersten Musikstunden in zwei Fünferklassen liegen hinter mir – falsch: durfte ich genießen. Es machte mir wirklich eine Riesenfreude, mit der Gitarre Stimmung zu verbreiten, mit den kleinen Spontanreimen Kinder zum Lachen zu bringen. Ein bewährtes Mittel aus all den Jahren meines Umgangs mit Schüler/-innen: Mit zwei einfachen Dur-Akkorden einen Zweizeiler mit den Namen bilden (etwa: Die Lena, die Lena, die wird ja immer scheena). Zwei, drei Rhythmusspiele, die Freude bereiten, den Schulkanon besprechen (Was denkt ihr, hat dieser Kanon mit einer Gesamtschule zu tun?), den alten Spaßsong, den damals die 5b der „Trixis“ getextet hat („Zehn von der IGS“) – und schon waren die Doppelstunden rum. Ist das nicht ein toller Beruf, wenn man, mit so viel Spaß beschenkt, auch noch sein Geld verdienen kann und Kinder erfreuen kann?

Die erste Mail der diesjährigen Company-Managerin der „Young Americans“ hat mich erreicht. Ich habe natürlich versucht, in meinem „besten“ Englisch zu antworten, meine Vorfreude wird schon „rüberkommen“. (Wer weiß, was der amerikanische Geheimdienst beim Mitlesen darüber denken wird?).

Heute nun das erste Assembly mit den neuen Fünfern: Erst mal einführen, weshalb es das bei uns gibt, Hockerbeauftragte finden, Regeln klären, Schulkanon singen. Mehr war nicht drin, denn dann erscholl das Zeichen zum Probealarm. Wir haben es absichtlich zum Zeitpunkt des Assemblys gelegt, denn ich wollte wissen, wie das Räumen des vollen Kunstsaales mit so vielen Kindern funktioniert. Keine Sorge: Die ganze Schule war in zweieinhalb Minuten geräumt. So schnell wäre keine Feuerwehr hier. Hoffen wir dennoch, dass wir auf diese Übung nie im Ernstfall zurückgreifen müssen. 

Doch der Tag hatte noch noch mehr im Gepäck: Unseren Lehramtsanwärter/-innen wurden heute die Schulnoten eröffnet. Diese „zweite Generation“ der Referendare hat noch erfolgreicher abgeschnitten als der erste Durchgang. Mit den Erfahrungen, die sie bei uns gemacht haben, werden sie überall bestehen können. Sie haben differenzierte Gruppen und heterogene Klassen unterrichtet, haben Teamarbeit in einer Schwerpunktschule erlebt und, so höre ich es immer wieder, werden um den Einsatz bei uns beneidet. Nun kommen noch die Prüfungen im November, dann …was dann folgt, steht nicht mehr in unserer Macht und hängt letztendlich von der Schulpolitik in Mainz ab. Bei uns fest anstellen würde ich alle drei!

Und weiter geht’s: Gespräch mit der neuen Schulsozialarbeiterin und dem Jugendamt, ein besonders heikles Stundenplan-Problem lösen helfen, hier moderieren, dort einen Tag planen…

Eine wohl einmalige Sache hatte dieser Tag auch im Köcher. Der Schulzweckverband der Realschule plus hat sich angesichts des Auslaufens dieser Schule bei uns aufgelöst. Aus irgendwelchen Quellen waren 8oo Euro übrig. Die Mitglieder beschlossen, das Geld dem Förderverein der Nachfolgeschule zukommen zu lassen. Zur Übergabe durch die beiden Verbandsbürgermeister war neben dem Förderverein auch der Schulleiter eingeladen. Sie fand im Sitzungssaal der Verbandsgemeinde in Wachenheim statt, jenem Raum, in dem ich 2008 im Januar einem erlauchten Gremium vermitteln musste, dass ich der geeignete Kandidat unter den acht Bewerbern auf die Schulleitungsstelle bin. Wieder einmal stellte ich die enge Verknüpfung von Ereignissen mit Räumen fest. Fast kann man sagen, dass wir dann ins Schwelgen über die ersten beiden Jahre der IGS abgedriftet sind. Es war eben eine sehr schöne Zeit in der Zusammenarbeit der noch winzigen Schule mit einer kleinen und uns wohlwollend verbundenen Verwaltung mit kurzen und oft unbürokratischen Wegen. Immerhin: Die wertschätzende Stimmung hat sich erhalten und musste heute nicht erst wieder hergestellt werden. Schon bei der Begrüßung knüpften wir daran an („Für das Foto müssen Sie aber nachher den Krawattenknoten etwas enger ziehen.“) Vielen Dank zum einen für den Geldsegen – unser Förderverein wird ihn zum Wohle unserer Schüler/-innen zu verwenden wissen – und zum anderen für die gemeinsame Arbeit über sechs Jahre hinweg.

Damit war auch der Einstieg in die Vorstandssitzung des Fördervereins, die am gleichen Abend noch stattfand, gesichert und der eher geringe Betrag, der vergangenen Sonntag beim Weinstraßenfest erarbeitet wurde, ausgeglichen. Das Wetter macht auch unserem „Verdienst“ einen Strich durch die Rechnung. Ein besonderer Stand wird es trotzdem bleiben: Erstmals wurde er von ganz vielen Schüler/-innen unter Anleitung betreut. Das war schon klasse! Habt alle Dank, dass ihr (mal wieder) ein Wochenende oder einen Sonntag der Schule gewidmet habt. Hauptthema der Sitzung aber war der Tanzworkshop mit den „Young Americans“. Nachdem er in diesem Jahr lediglich als zusätzliche, freiwillige Veranstaltung stattfinden soll und nicht als Thementag wie vor zwei Jahren, ist auch die Zahl der Helfer etwas geringer. Diese soll vonseiten des Fördervereins ausgeglichen werden. In Organisation erfahren, stellte das den Vorstand aber vor keine großen Probleme. Wer fünf Tage der offenen Tür, fünf Integrationswochen, Weinstraßenstände und ähnliches mehr erfolgreich organisiert hat, für den ist die Organisation eines Getränkestandes und Unterstützung am Wochenende kein Problem. Schnell waren Fragen wie diese geklärt: Wer bestellt Getränke und Bierzelt-Garnituren? Wer zeichnet für den Hotdog-Stand verantwortlich? Wer holt die Getränke ab? Wer ist wann anwesend? Wer erstellt die Helferliste? Mann, das muss doch Freude bereiten, oder?

 

 

Freitag, 25. August 2013:

Dahingegangen ist die erste Woche, schnell wie im Flug. Höhepunkt darin war die Aufnahmefeier der „Kalle Keschde“. Wenn eine Einschulung in der eigenen Familie ansteht, liegt die Priorität fest, Schulleiter hin, Schulleiter her. Aber die unterschiedlichen Anfangszeiten erlaubten mir es dennoch, den Anfang in der Stadthalle miterleben zu können. Einem Bienenstock ähnlich fand ich die diese bei meiner Ankunft vor: Die fleißigen Hände des Fördervereins organisierten schon den Kaffee- und Kuchenstand, viele Sechstklässler, sicher ihre Feier im letzten Jahr erinnernd, wuselten um die Bühne herum, da noch ein Mikrofonständer, dort noch ein Rollbanner verschieben – inzwischen zieren ja sechs Jahrgangslogos die Bühne – das Schlagzeug muss da weg und das Keyboard hierhin…und mitten drin stimmte ich die Gitarre, denn die neuen Saiten dehnen sich heftig. Was hier an aufgeregter Anspannung, freudiger Erwartung und betriebsamem Engagement zu spüren war, ist einmalig und das zum sechsten Mal. Solch eine Atmosphäre kann nicht gewollt oder geplant werden, das muss sich von selbst entwickeln und sich am Leben halten. Dass dies über die Jahre hin gelungen ist, macht mich sehr glücklich. Über zweihundert Schüler waren heute daran beteiligt, dafür offene Lehrkräfte bringen ihre Ideen ein und zaubern ein Programm, das es eine wahre Freude ist. Die Halle füllte sich immer mehr. Pünktlich begann ein Chor, den in dieser Fülle noch nie erlebt hatte: Die ganze Bühne war in ihrer Breite mit mehreren Reihen gefüllt und ließen erstmals ihre Stimmen in die Halle hinein erklingen. Das Ruhezeichen funktionierte auch schon. Ich begrüßte mit nur wenigen Worten, schuf eine Verbindung zwischen Gesamtschule und unserem Schulkanon, den ich dann anstimmte. Gänsehaut überlief meinen Rücken, als ich merkte, wie die Sechstklässler einstimmten und gegen Ende, wenn die Gitarre verstummt,  assemblyerprobt, mit dem „We-Will-Rock-You-Klatschen“ die Halle beben ließen. Kann es für einen Schulleiter glücklichere und bewegendere Minuten geben? Ja, denn als ich die Halle vorzeitig durch den Mittelgang verließ, blickte ich in viele fröhliche Gesichter. Eltern nickten mir zustimmend zu, Kinder winkten zum Abschied. Wäre es nicht die Einschulung meines Sohnes gewesen, ich hätte das Hierbleiben gegen jeden anderen Termin getauscht.

Wie die Integrationstage weiter verliefen, habe ich kaum mitbekommen. Schulbuchausleihe, Gespräche, Treffen, Stundenplanänderungen, Postregelungen, Nachbestellungen, Telefonate, Ganztagsregelungen und einiges Mehr hielten mich in Deidesheim fest. Erst heute, beim abschließenden Grillen mit den Eltern, konnte ich die Wirkung erleben: glückliche Eltern, zufriedene Lehrkräfte und wuselnde Kinder fand ich „Am alten Galgen“ auf dem Grillplatz vor. Mit dieser ersten Woche fällt ein helles und warmes Licht auf das neue Schuljahr. Prima und Dank an alle, die sie gestaltet haben. 

 

Montag, 19. August 2013:

War das ein Regenschauer heute Morgen! Das erste, was ich heute auf dem Schulhof erblickte, waren durchnässte Schüler/-innen. Sie waren auf dem Weg vom Bahnhof genau in diesem Schauer unterwegs, kaum einer hatte eine Regenjacke dabei! Na, wenn das die Krankheitsrate morgen mal nicht in die Höhe treibt. Die „neuen“ Siebtklässler wurden wieder mit viel Lärm und Trara begrüßt. Das Spalier wurde wegen des Regens aber nicht im Schulhof gebildet, sondern, beginnend draußen unter dem Vordach, das Treppenhaus hinauf geführt. Wieder eine tolle Aktion!

Mit meiner kurzen Begrüßung und der Aufforderung durch die Sprechanlage, die Klasse 9a solle beginnen, startete auch die Ausgabe der Schulbuchpakete. Von wegen zwei eingeplante Tage, noch vor zwölf Uhr hatten alle Bücher ihre „Ausleiher“ gefunden. Nur die drei Tüten der krank gemeldeten Schüler/-innen blieben stehen.

Es war nur ein kurzer Vorlauf („Hättest du jetzt Zeit, dann kämen wir rüber?“), dann besuchte die neue Schulsozialarbeiterin mit einer Vertreterin des Jugendamtes mein Büro. Es reichte gerade noch, um Kaffee zu kochen, der ein angenehmes und ein Erfolg versprechendes Gespräch bereicherte. Noch ein gelungener Neuanfang scheint sich da anzubahnen. Mehr Vorlauf wird allerdings ihr tatsächlicher Einsatz haben, denn zunächst stehen mal das Ankommen in der Kreisverwaltung und das Kennenlernen der anderen Schulsozialarbeiter/-innen und deren Arbeitsweise an.  Mit der Post erreichte mich die letzte fehlende Urkunde, so dass noch eine letzte Vereidigung und Beförderung zur Studienrätin rechtzeitig zum ersten Schultag vollzogen werden konnte. Jetzt fehlt nur noch ein Vertretungsvertrag. Wenn der kommt und unterschrieben ist, steht die Mannschaft komplett. Ich schreibe mal: vorläufig, denn ich kenne das „Geschäft“ ja inzwischen.

Wenn der Stundenplan steht, müssen die Förderstunden geschickt und möglichst breit eingepasst werden. Dazu traf sich heute noch die Fachkonferenz „Fördern“. Wir verwalten letztendlich einen Mangel, denn wir hatten noch mit einer zusätzlichen Förderlehrkraft gerechnet, für die aber keine Planstelle mehr vorhanden war. Wenn wir die Unterrichtsverteilung an zwei Stellen nochmal verändern würden, kämen wir zumindest mit einer „Notversorgung“ hin. Nur: ein „Mikado-Stäbchen“ heraus zu ziehen, kann das ganze Gebilde durcheinanderwirbeln. Deshalb gehen wir das nur ungern an. Im Schulleitungsteam stellte sich heraus, dass die Folgen (zumindest bis zu den Herbstferien) gar nicht so gravierend wären, wenn an der Stelle dies und an der anderen Stell das umgeschichtet werden könnte und die Ganztagsplanung das entstandene Loch so füllen würde und eine Kollegin dafür dieses Fach übernehmen könnte. Da kündigte sich Gesprächsbedarf an. Noch schnell die Karten für den Luftballonwettbewerb morgen gelocht und die Einverständniserklärung kopiert…da war es schon halb fünf. Halt! Ein Discounter, an dem ich auf meinem Heimweg auch noch vorbeifahre, hatte doch heute CD-Player im Angebot. Hoffentlich haben sie noch vier auf Lager. Auch da hatte ich Glück. So kann ich morgen das neue Fünferteam beglücken und es endet ein, alles in allem, kurzweiliger erster Schultag.

 

Freitag, 16. August 2013:

So kann es gehen: Über mehrere Wochen hinweg machen wir uns Gedanken, wie das neue Schuljahr personell aussehen wird und plötzlich entsteht ein ganz neuer „Drive“. Was gestern noch in Frage stand, ist heute gelöst. So konnte ich auch eine Kollegin telefonisch für den letzten offenen Vertretungsvertag gewinnen. Spannend ist dies immer, weil ich aus einer Liste von über 150 Namen den- oder diejenige herausfinden muss, die/der nicht anders „verplant“ ist, der/die in der Nähe wohnt (Niemand aus Münster nimmt an der Weinstraße einen Vertretungsvertrag an!) und der/die Lust hat, kurzfristig in eine IGS „reinzuriechen“ – und doch ist es wieder gelungen. Heute Morgen war sie hier, hat sich vorgestellt und freut sich sehr über das Angebot. Damit ist das Kollegium auf 62 Kolleg/-innen angewachsen. Dieses Jahr passten wir bei der Dienstbesprechung noch in die Mensa in Deidesheim. Im nächsten Jahr, da wird immer noch kein neuer, größerer Mehrzweckraum gebaut sein, wird das nur gehen, wenn nicht jede/r einen Platz zum Schreiben an einem Tisch beansprucht.

Ich empfinde das „Hallo“ bei dem ersten Treffen nach den Sommerferien immer als ein besonderes, auch emotionales Erlebnis. Wie freudig strahlen die Augen, wie lachend gestalten sich die Gesichtszüge und wie viele werden umarmt und gedrückt, herrlich! Und auch das ist heute wieder gelungen: Die neuen Kolleg/-innen wurden mit einer Offenheit, einer Freude und einem Beifall begrüßt, das müsste richtig Spaß auf die Arbeit machen… Und noch ein Gefühl beschlich mich auch heute: Ich fühle mich als Schulleiter wohl inmitten dieser stetig gewachsenen Gruppe, fühle mich akzeptiert und angenommen. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit, auch das ist an einer Schule im Aufbau, in der die Zahl der darin arbeitenden Menschen jährlich ansteigt, nicht selbstverständlich. Ich verließ die Mensa nach knapp zwei Stunden zum Fototermin (Wann anders ist das ganze Kollegium so komplett auf ein Foto zu bringen?) mit einem warmen Gefühl im Bauch.

Danach folgten Amtsgeschäfte: Vereidigung und Beförderung von neuen Kolleg/innen, Verträge, die Schulbuchausleihe beschäftigt auch den Schulleiter noch und da noch eine Unterschrift und dort noch ein Telefonat. Den Tag abschließend, habe ich die Gitarre aus der Mensa geholt. In Deidesheim habe ich meine private gelagert. Zum Begrüßungskanon hielten die Saiten die Spannung noch aus, jetzt, drei Stunden später, war die E-Saite gerissen. Könnte doch heißen: Der Start ins neue Schuljahr ist gelungen, Herausforderungen und Probleme wird es dennoch bringen. Also erst mal auch dieses Instrument neu bespannen!

Mir machte es jedenfalls richtig Spaß euch heute alle zu treffen und ich gehe mit einem erneut kräftigen Schwung ins neue Schuljahr. Na dann: Lasst uns am Montag das sechste Jahr der IGS mit der gelassenen Stimmung und mit dieser Freude beginnen!

 

 

Dienstag, 13. August 2013:

Welch eine Nachricht: Durch die Entlastungsstunden, die vom Ministerium den neu gewählten und zahlreicheren Bezirkspersonalräten gewährt werden, ist zusammengerechnet eine Planstelle herausgekommen. „…und das Team Mitte hat beschlossen, diese an die IGS Deidesheim/Wachenheim zu vergeben!“ Das bringt uns in allen Planungen einen Riesenschritt voran. Das hat zwar enorme Auswirkungen auf die Unterrichtsverteilung, doch das gingen wir mit diesem Vorzeichen gerne an! Heute ist sie fertig geworden und wir können endlich an den Stundenplan gehen. Spät genug ist es ja dafür. Hinzu kommt, dass sich doch noch überraschend ein Bewerber im Freiwilligen Sozialen Jahr gemeldet hat. Er war auch schon  hier und wird an unsere Schule kommen. Die zweite dieser Stellen ist auch nicht aussichtslos: „Im Moment bekommen wir wieder Bewerbungen rein, weil die Absagen für Studienplätze an den Universitäten verschickt werden. Da ist durchaus noch was drin für Sie.“ Wie sich auf einmal so Vieles löst…Dafür kommen die neuen Möbel für den ehemaligen Nadelraum, den wir künftig als Klassenzimmer nutzen müssen, erst in vier Wochen. Aber das kriegen wir mit dem überzähligen Mobiliar hin. Auch wenn es erst mal ein Sammelsurium sein wird, niemand muss im Stehen lernen. Ebenfalls ist die Schulbuchausleihe angelaufen. Die Bücher sind geliefert, registriert und die einzelnen Tüten für die Schüler/-innen sind gepackt. Wenn das mal keine guten Nachrichten sind gegen Ende der Ferien!

 

Freitag, 09. August 2013:

Eigentlich hatte ich zu Beginn der Ferien lediglich eine halbe Stunde Zeit bis zum nächsten Termin und verbrachte sie, indem ich absichtslos durch eine Buchhandlung schlenderte. Da fiel mir bei der Rubrik „Neuerscheinungen“ ein Buch auf: „Richard David Precht, Anna, die Schule und der liebe Gott, Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern, München 2013“. Kurz darauf fand ich mich mit ihm an der Kasse wieder, denn Autor und Thema weckten sofort mein Interesse. Der schnelle Kauf ließ immer noch Luft, mich in dem angrenzenden Cafè zumindest dem Vorwort zu widmen. Gleich zog es mich in das Buch hinein, denn ich las auf Seite 19, dass die derzeitige Schule den Anforderungen an die Zukunft in Sachen Kreativität, Teamfähigkeit und Selbstständigkeit nicht gewachsen sei. „Ihre Aufgabe seit Einführung der Schulpflicht im 18. und 19. Jahrhundert war es, der Wirtschaft und dem Staat vielseitig verwendbare Fachkräfte ohne allzu signifikante Persönlichkeitsmerkmale bereitzustellen. Gebraucht wurden treue Staatsdiener, Beamte und Angestellte sowie einschlägig ausgebildete Fachkräfte in überschaubaren Tätigkeitsfeldern. Die überwiegend passive (Hervorhebung im Original) Rolle des Schülers in der Schule war sinnvoll und gewünscht und Kreativität außerhalb gelenkter Bahnen so unnötig wie ungewollt.“ Ich war angesichts dieses Satzes kurze Zeit gewillt, meinen nächsten Termin abzusagen, weil mit diesem wuchtigen Satz mein Interesse angestachelt war. Natürlich nahm ich ihn dennoch wahr, hatte aber meine Ferienlektüre gefunden.

Was zunächst folgt – Precht ist ja von Hause aus Philosoph – ist ein Abriss über den Begriff der Bildung, über den heute viele reden, der aber durchaus eines Konsenses entbehrt. Die Quintessenz: Bildung heißt nicht Wissen, ist keine „mentale Vorratsspeicherung kanonisierter Sachverhalte – keine Art innere Bibliothek mit Schnellzugriff. Nicht etwas, das man bei Günther Jauch abrufen kann, um Millionär zu werden.“ (S.25). Precht geht dann einige Geistesgrößen und ihr Verständnis von Bildung durch. Herkommend vom altgermanischen Wort bildunga, das alles bezeichnete, was erschaffen und gestaltet war, setzte Meister Eckhart im Mittelalter Bildung als religiöses Phänomen: „Gebildet wird der Mensch demnach nicht durch seine Kraft, sondern dadurch, dass Gott ihn formt.“ (S.27). Erst im Zuge der Säkularisierung wird die Tätigkeit Gottes an der Bildung zurückgedrängt. „Ob jemand Bildung erwirbt, ist demnach vor allem eine Frage des Umgangs mit sich selbst. Der Gebildete setzt sich zu sich selbst in ein Verhältnis. Das Ich wird, in einer Formulierung des Philosophen Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) zum ‚Werk meiner Selbst‘“. (ebd.) Hegel, Herder und Kant zusammenfassend formuliert Precht: „Eine wohlverstandene Bildung, so könnte man folgern, ist nicht etwas, das man hat, sondern etwas, das man praktiziert“ (S.30).

Die Geistesgröße schlechthin beim Begriff der Bildung ist natürlich Wilhelm von Humboldt, jener preußischen Kultusminister, von dem sich ein bis heute wirksames „Bildungsideal“ ableitet. „Humboldts wichtigste Idee ist…Bildung allen (Hervorhebung im Original) Staatsbürgern zugänglich zu machen…Alles Lernen steht damit zunächst einmal im Dienst der Ausformung und Reifung der Persönlichkeit.“ (S.33). Precht entfaltet dann die „isolierten Berufswelten“ der Bauern, Handwerker, die „keine Staatsbürger, sondern Untertanen“ (S.34) gewesen seien. „Eben deshalb sollte der Staat, nach Humboldts Meinung, seine zukünftigen Bürger nicht zu Fachidioten nach den Bedürfnissen des Marktes ausbilden, sondern in erster Linie zu – Bürgern.“ (ebd.) Daher leitet sich auch die stets wiederholte Forderung an Bildung ab, dass die Schüler/-innen in der Schule dazu befähigt werden sollen, an der zukünftigen Gesellschaft und Öffentlichkeit partizipieren und teilhaben zu können.  

Wie kam es aber dann zu dem verqueren Verständnis von Bildung als Wissensanhäufung während der Schulzeit? Precht sieht den Geist des Protestantismus als prägende Größe für das humanistische Gymnasium an, der dafür sorgte, dass das Humboldtsche Anliegen „…in Klausuren, Noten und Hausarbeiten gegossen und gestanzt wurde…Und was Humboldt zweckfreie Bildung genannt hatte, wurde im Verein von Thron und Altar zum autoritären Programm der Erziehung vielseitig verwendbarer obrigkeitstreuer Untertanen“ (S. 41). Im Grunde hat sich die Schule in ihrer Struktur des Lernens nicht wesentlich weiterentwickelt. Zwar wird heute niemand mehr einen „obrigkeitstreuen Untertanen“ ausbilden wollen, jede Lehrkraft wird (hoffentlich) demokratisch bewusste Bürger aus der Schule zu entlassen wünschen, aber die Art und Weise, wie (auswendig) gelernt und abgefragt wird, hat sich als grundlegende Arbeitsweise der Schule erhalten. Neuerdings hat sich hierzu der Begriff des „Bulimie-Lernens“ eingebürgert, den auch Precht anführt: „Kurz vor der nächsten Klausur futtert man sich in Rekordzeit eine große Menge Wissen an, um es dann wieder auszuspucken und anschließend zu vergessen“ (S.115). Blieb also von der Humboldtschen Idee   der Entwicklung der Schülerpersönlichkeit nicht allzu viel übrig. „Einerseits schrieben die Lehrpläne der Gymnasien Humboldts Gedanken der von praktischen Zwängen weitgehend freien Bildung für fast zwei Jahrhunderte fest. Andererseits aber stellten sie zugleich das Wissen, das Auswendiglernen und Abfragen weit über die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler…Die Folge: Aus der Bildung der Schülerpersönlichkeit wurde im deutschen Schulsystem Abrufbarkeit von Wissen auf Zeit“ (S.46). Hinzu kommt, dass dieser Vorgang, je nach Menge und Inhalt des wiedergegebenen Wissens, mit Zensuren bewertet wird, die letztlich über Lebenschancen entscheiden. Wenn aber Bildung, zumindest als einen konstituierenden Punkt, Persönlichkeitsbildung zum Inhalt hat (niemand hat das jemals zurückgenommen oder wird es bestreiten), dann ist jedem sofort klar, dass man Persönlichkeitsbildung nicht quantifizieren und benoten kann. Precht führt hierzu aus, dass das ganze Überprüfungsszenario aus einer Zeit stamme, in der niemand auch nur auf die Idee eines Kinderschutzgesetzes kam, in der Kinder in die engen Stollen der Bergwerke geschickt wurden und in der die züchtende Prügelstrafe als Erziehungsmittel auch in der Schule legitimiert war (vgl. S.128). Neu, zumindest für mich, ist die Feststellung, dass anstelle des dreistufigen Notensystems an Preußens Schulen erst 1938 das sechsstufige eingeführt wurde (vgl.ebd.). Wie bitte? 1938? Unser Notensystem geht auch noch auf die Nationalsozialisten zurück? Doch auch inhaltlich muss man immense Bedenken anmelden, denn Lernen, vor allem mit dem Ziel guter Zensuren (also extrinsisch, von außen gesteuert und gefordert), ist die schlechteste Motivation und führt zu falschen oder zu keinen nachhaltigen Ergebnissen des Lernens. Unabhängig davon, dass die mit einer angeblich „objektiven Vergleichbarkeit“ begründende Notengebung sich als Märchen immer noch fortsetzt, ist die Grundbedingung für erfolgreiches Lernen die intrinsische Motivation, die von innen kommen muss, aus jedem einzelnen Kind selbst heraus, das etwas lernen wollen muss. „Denn wichtiger als der externe Maßstab des Klassendurchschnitts sollte der innere Maßstab des Kindes sein. Habe ich an Motivation zugelegt? Bin ich interessierter geworden? Habe ich eine kleine, für mich wichtige Hürde gemeistert? Habe ich gelernt, mit einem Misserfolg besser umzugehen? Habe ich neue Ideen entwickelt? Sind mir ein paar gute Einfälle gekommen? Leistungsnachweise wie Klausuren oder Prüfungen, die den Zeugniszensuren zugrunde liegen, sagen darüber nichts aus.“ (S.129). All das wären Informationen, die ein/e Schüler/-in wissen müsste, würde er/sie denn mit intrinsischer Motivation lernen. Aktuell fällt mir an unserer Schule kaum jemand ein, der/die auf Noten verzichten würde, um stattdessen solche verbalen, für das Lernen so wichtige Hinweise zu erhalten. Daher gefällt mir der pointierte und sicher auch polarisierende Satz von Kurt Singer, der Noten für das eigene Lernen für gefährlich hält. Precht zitiert ihn selbst auf Seite 130: „Zeugnisse müssten eigentlich, wie Zigaretten, mit einem Warnhinweis versehen werden: ‚Die Kultusminister warnen: Noten gefährden die Entwicklung des Kindes.‘“ Geradezu bizarr erscheint es, dass diese (aussagearmen) Ziffernnoten das alles entscheidende Kriterium darstellen für Zeugnisse, Abschlüsse, Studien und auch für die Einstellung von Lehrkräften, die ja ebenfalls nach Notendurchschnitt bis auf Kommastellen auf Listen geführt werden.  

Precht behandelt in seiner heftigen Kritik des deutschen dreigliedrigen Schulsystems weitere Punkte, die ich nur kurz mit jeweils einem Zitat anführen will. Es lohnt aber, jeden einzelnen in dem Buch nachzulesen.

Zu den Vergleichsstudien PISA und weiteren merkt er an: „Aus der Taufe gehoben wurde sie von der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mit ihren vierunddreißig Mitgliedsstaaten. Ihr Ziel ist es, die Ökonomie in allen beteiligten Ländern zu optimieren, die Wirtschaftsbeziehungen untereinander zu erleichtern sowie allgemeine Standards und Richtlinien zu erarbeiten. Nichts anderes ist die Funktion von PISA.“ (S.89). Was wurde in Deutschland nicht alles wegen des schlechten Ergebnisses losgetreten, nur mit Pädagogik hatte dies kaum etwas zu tun. Standards, Tests, Messbares für die Gewinnmaximierung der Ökonomie von Staaten, schön und gut, aber Bildung? Persönlichkeitsentwicklung? Fehlanzeige.

Unter den Überschriften „Individualisiertes Lernen“ und „Lernen im Gleichschritt“ merkt Precht an: „Wir zwingen in den einzelnen Fächern aber die Langsameren dazu, sich den Schnelleren anzupassen und umgekehrt. Das Lerntempo ist letztlich nur für wenige richtig, und wir kämpfen mit schlechten Lernerfolgen auf beiden Seiten“ (S.223). Auch hier Fehlanzeige der intrinsischen Motivation. Individuelle Lernfortschritte werden kaum berücksichtigt, kaum etwas ist zugeschnitten auf das einzelne Kind, es muss sich an dem vorgegebenen Kollektivziel messen lassen. 

Und nicht zuletzt geht es Precht auch um die Lehrkräfte. Zwei Voraussetzungen sieht er, die einen guten Lehrer ausmachen: „Erstens: Er muss eine Person sein, die Kinder liebt. Und zweitens eine Persönlichkeit, der man gern zuhört. Diese beiden Kriterien stehen über allem anderen. Und das Bedauerliche daran ist: Beides kann man nicht lernen! Denn Lehrer ist kein Ausbildungsberuf für etwas, das prinzipiell jeder lernen kann, so wie etwa Versicherungsvertreter…Vielmehr ist es ein künstlerischer Beruf, der ein besonderes Talent (wenn auch keine genetische Begabung!) voraussetzt: begeistern zu können, motivieren und befähigen! Gute Lehrer sind Artisten im Sozialen“ (S.141).

Als weitere Kritikpunkte seien genannt: Das dreigliedrige Schulsystem als gewollte Sicherstellung von Privilegien am Beispiel der gescheiterten Hamburger Schulreform (S.69ff) und an dem Boom der neu entstehenden, sehr teuren Privatschulen (S.75ff); das G8-Gymnasium mit seinem gestohlenen Jahr (S.81ff); Kritik am nicht mehr haltbaren Föderalismus in Bildungsfragen, der zur bildungspolitischen Kleinstaaterei mit 16 verschiedenen Bildungswegen führte (S.318ff) und schließlich der mangelhaft ausgestattete Bildungsetat trotz vollmundiger Bekenntnisse für eine „Bildungsrepublik“ (S.309ff). 

Nach all den (fundamental) kritischen Punkten, die Richard David Precht an unserem Schulsystem bemängelt, wäre er unglaubwürdig, würde er nicht Vorstellungen entwickeln, wie „seine“ neue Schule aussehen sollte. Zehn Prinzipien formuliert er hierfür. Natürlich habe ich im Geiste unsere Schule beim Lesen darauf hin abgeklopft und natürlich erfüllen wir sie nicht komplett. Ich überlasse es aber jeder/m Leser/in, sozusagen von außen, sein/ihr Urteil darüber zu bilden. Ich selbst habe darin manchen Ansporn gefunden. Plagt mich doch seit dem Beginn unserer Schule die Frage: Was müssten wir an einer neu aufzubauenden Schule an Erkenntnissen der Lehr- und Lernwissenschaften umsetzen? Mit Unwissenheit kann ich mich später einmal nicht rechtfertigen. Hier also Prechts zehn Prinzipien, die er an einer guten Schule umgesetzt wissen möchte:

 

  • Die intrinsische Motivation des Kindes darf nicht zerstört, sie muss werden (vgl.S.289) gepflegt
  • Das Kind muss individuell lernen können (vgl.ebd.)
  • „Statt um den Stoff geht es um das Verstehen von Sinn und Sinnlichkeit der Dinge und der Zusammenhänge  dieser Welt.“ (S.290)
  • „Das vierte Prinzip ist die Bindung…Jugendliche lernen leichter, je stärker sie sich in einer Gemeinschaft aufgehoben fühlen.“ (S.291)
  • „Das fünfte Prinzip besteht darin, an unseren Schulen eine Beziehungs- und Verantwortungskultur zu schaffen…eine intensive Arbeitsbeziehung zwischen Schulleitung und Lehrern…statt einem anonymen Lehrerkollegium haben wir es nun mit mehreren kleineren Kollegien zu tun…Die Schüler behalten ihre Lehrer von der ersten bis zur zehnten Klasse, so dass sich echte Beziehungen und wirkliches Verantwortungsgefühl entwickeln können.“ (ebd.)
  • Ein sechstes Prinzip besteht darin, Werte und Wertschätzung zu fördern…Die Schule kann dazu beitragen, indem sie Rituale pflegt, die den Schulalltag strukturieren und bestimmte Ereignisse hervorheben…(feste Mahlzeiten, religiöse Feste, regelmäßiges Beisammensein etc.)“ (S.292).
  • „Das siebte Prinzip betrifft eine lernfreudige Schularchitektur“ (ebd).
  • „Ein achtes Prinzip besteht darin, die Konzentrationsfähigkeit zu trainieren und zu pflegen…Dringlich erforderlich ist ein Training, das…hilft, sich zu sammeln, zur Ruhe zu kommen, ein eigenes Tun zu reflektieren, sich selber besser zu verstehen“ (S.294).
  • „Ein neuntes Prinzip betrifft die persönlichen Bewertungen von Schülerleistungen. Wie gezeigt, wird das Ziffernsystem der Persönlichkeit unserer Kinder nicht gerecht…An ihre Stelle tritt ein sorgsames, auf die Individualität des Kindes bezogenes Monitoring“ (S.295).   
  • „Das zehnte Prinzip ist die Ganztagsschule…Die Schule der Zukunft kümmert sich vollständig um die Lernbiografie, statt sie, wie bisher, zu einem erheblichen Teil der Willkür, dem Vermögen und dem Unvermögen von Elternhäusern zu überlassen“ (ebd.)

Soweit also das mich umtreibende Buch von Richard David Precht, dem ich viele Leser wünsche. Es wird polarisieren und es wird hoffentlich mit heftigen Diskussionen die Debatte bereichern. Das Thema „Schule“ mit all seinen Verquerungen wird nicht anders als provokativ in der Öffentlichkeit und den Ministerstuben diskutiert werden können.

Darüber hinaus verspürte ich aber eine große Lust nach erzählender Literatur. Da ich derzeit nichts auf den aktuellen Bücherlisten fand, das mich ansprach, setzte ich einen Vorschlag selbst um, den ich vor Jahren einmal einer Kollegin gemacht habe. Sie fand nichts Rechtes zu lesen für den Urlaub und ich regte an, sie möge sich doch in der deutschen Literatur der Vergangenheit umsehen. Da gäbe es für sie sicher noch manchen Schatz zu heben. Ich selbst ließ mich dieses Jahr ins 19. Jahrhundert führen, zu den Novellen. Ganz ohne unterrichtlichen Hintergrund oder gattungsspezifische Besonderheiten (Rahmentechnik, Falkentheorie, Natur- als Seelenschilderung…) las ich mit großer Freude fast zwanzig Novellen der verschiedenen Autoren wieder: darunter alle Erzählungen von Kleist, zwei von Eichendorff („Schloss Dürande“, den Taugenichts), Grillparzers armer Spielmann, natürlich „Die schwarze Spinne“ von Gotthelf, „Die Judenbuche“ der Droste, Hauptmanns „Bahnwärter Thiel“ und eine meiner Lieblinge: „Aquis submersus“ von Theodor Storm (Den Schimmelreiter habe ich vor nicht allzu langer Zeit an der Nordsee zum dritten Mal gelesen. Er sollte jetzt nicht dabei sein.), nicht fehlen durfte Goethes „Novelle“ und Stifters „Brigitta“. Ich genoss diese und weitere Erzählungen und kostete sie richtig aus. Freilich hatte ich sie bis auf zwei alle schon einmal gelesen, aber mancher Inhalt war verblasst und viele Einzelheiten in Vergessenheit geraten. Ich genoss auch die Sprache, die heute Unübliches bis Unverständliches für mich bereithielt. “Tulpen“ wurden noch „Tulipane“ genannt, Briefe wurden nicht geöffnet sondern „erbrochen“, seltene Konjunktive verwendet („Ich stürbe, wenn…“), die Zeiger der Uhr waren „Weiser“ und, lebendig wie die Rechtschreibung nun mal ist, wurden immens viele Worte noch mit „Th“ geschrieben (Thür, Muth, Rath, Wirth, Thurm), auch auf „Epheu“ und „Jagdgeräth“ stieß ich. Nachschlagen musste ich allerdings Kapriolen wie „stipulieren“, „Konjekturen“ oder „Irritanzen“. Letzten Endes aber waren es die Geschichten, die Schicksale und die Personen, die mein Interesse und Mitgefühl erregten. Alle genannten Erzählungen werden als Meiserwerke eingestuft und als solche empfand ich sie erneut. Ich hatte mich eigens für den Urlaub mit zwei Bänden aus der (von mir geliebten) Bibliothek der Weltliteratur des Manesse-Verlages eingedeckt und kramte zu Hause weitere Novellen in anderen Büchern aus. Ein Autor rief den nächsten auf, eine Erzählung wies auf eine weitere hin. Ich werde sie im Auge behalten, denn noch einige warten darauf, wieder oder neu entdeckt zu werden. Für diese Freude waren die Ferien schlichtweg zu kurz.    

 

Dienstag, 30. Juli 2013:

Was mich anbelangt: Wir sind vorzeitig aus dem Urlaub nach Hause gefahren. Wenn das eigene Kind erkrankt, schiebt sich die frühere Heimkehr ganz weit vor das eigene Urlaubsbedürfnis.

Das schafft auch unverhofft freie Zeit, die ich heute zum Bespannen der Schulgitarre nutzte. Schon beim letzten Assembly in Wachenheim präsentierte sich die D-Saite in zwei Teilen, allerdings so, dass ich sie notfallmäßig neu aufspannen konnte. Sie war vorne am Steg gerissen und daher noch lang genug, sie provisorisch mit einem Knoten einzuspannen. Das ist natürlich kein Zustand für das neue Schuljahr, so dass ich am letzten Schultag schon einen neuen Satz Saiten besorgt habe.

Beim Bespannen tauchte mein Gitarrenlehrer in meinen Gedanken auf, schließlich unterrichtete er mich fünf Jahre lang im Spiel der klassischen Gitarre und hat mir auch gezeigt, wie er seine Gitarre neu bespannt. So manchen Trick habe ich bei ihm abgeschaut und über all die Jahre auch beibehalten. Er ist viel zu früh im Frühjahr dieses Jahres verstorben. Betroffen hatte mir meine Mutter die Todesanzeige am Telefon vorgelesen, deren inhaltliche Richtung das Gedicht „Gefährtin Gitarre“ von Jewgeni Jewtuschenko vorgab. Neben den vielen Erinnerungen, Bildern und Gefühlen aus der fünfjährigen Zeit (Immerhin saßen wir einmal die Woche für eine Stunde zu zweit, meist in meinen verschiedenen Zimmern zusammen) sind es vor allem vier Punkte, die mir rückwirkend wichtig erscheinen. Er hat mich zum einen gelehrt, die technischen Studien zunächst widerwillig, dann immer mehr akzeptierend und schließlich sie liebend, hoch- und runter zu spielen, bis auch bei mir kein Quietschen und kein Schnarren mehr zu hören war. Wie einfach gestaltete sich nach diesen, mir manchmal unendlich lange vorkommenden Übungen das Erlernen eines neuen Stückes und wie beweglich machten sie die Finger (und wie steif und unbeweglich sind sie  dagegen heute!). Gepaart war diese Lektion zweitens mit einem Anschlag der Saiten, der mir heute noch einmalig vorkommt. Wie lange hatte es gebraucht, bis ich auch nur ungefähr in die Nähe seines voll klingenden Anschlages kam. Dazu gehörte ein ausgefeiltes Bearbeiten der Fingernägel an der Anschlagshand. Ich erinnere mich noch an das seltsame Gefühl im Bauch, als er erstmals mit seinem 600-er Schmirgelpapier meinen Nägeln der rechten Hand die richtige Form und „Politur“ verpasste. Nie wieder hielt ein Mann (!) so lange meine Hand und machte sich, immer wieder den Abrieb wegblasend, an meinen Nägeln zu schaffen, erklärend, wie die Form bei entsprechender Wölbung des jeweiligen Nagels beschaffen sein müsse, damit ein „voller und satter“ Ton erzeugt werden kann. Ich erinnere mich auch an seinen, immer wieder geäußerten Neid wegen der Festigkeit meiner Nägel. Er selbst litt unter brüchigen und leicht einreißenden Nägeln und versuchte sie mit Lagen von Papiertaschentüchern und Sekundenkleber stabiler hinzubekommen. Das alles kam mir zunächst „affig“ vor, später übernahm ich es selbstredend mit der Einsicht: Welcher Violinist würde sich mit einem billigen Bogen aus minderem Material zufrieden geben? Wie das Streichen und der Bogen selbst den Ton an den Saiten der Violine erzeugen, so ist der Ton der Gitarre vom Anschlag und den Fingernägeln der Spielhand abhängig. Nicht bei der Liedbegleitung im Assembly, aber stets, wenn ich sonst vorspiele, unterziehe ich die Nägel bis heute dieser Prozedur. Neben dem Gitarrenunterricht verdiente er sein Geld auch in der, damals zeitgemäßen Saarbrücker Folkgruppe namens „espe“, die sich unter anderem dem jiddischen Liedgut verschrieben hatte. Er war für die Arrangements dieser Lieder zuständig, die er mit jazzigen Einlagen und Harmonien arrangierte, während sich viele andere Gruppen dieser Zeit lediglich mit verschiedenen Finger-Pickings zufrieden gaben. Wie stolz war ich, wenn er mir etwa ein Vorspiel mit Flageolette-Tönen zeigte, das ich dann selbst erklingen lassen konnte wie auf einer der Langspielplatten. Durch „espe“ und weitere Interpreten (unter anderem dem hier schon mehrfach erwähnten Peter Rohland) lernte ich selbst dieses reichhaltige jiddische Liedgut kennen und vertiefte mich in die besondere Art, den historischen Hintergrund und auch in die Lebensweise des Ostjudentums. Da waren die Lieder über das Leben, die Liebe und die Armut im Schtetl („Des Millners Trern“, „`s brennt, briderlech, `s brennt“, „Tsen Brider“, „Schpil-sche mir a Lidele in Jiddisch“), da waren die Lieder der Chassidim mit ihrer Anlage zur (religiösen) Verzückung („As der Rebbe Elimelech“, „Scha schtil“), da waren die humorvollen und charmanten Rätsellieder („Tumbalalaika“, „Du meidele, du schejns“, „Baj mejn Rebben“), da waren die vielen Lieder über Verfolgung und Partisanentum während des Dritten Reiches („Donaj, donaj“, „Schtil, die Nacht is oijsgesternt“,“Sog nit keijnmol as du geijst den letzten Weg“…) und die schier unerträglichen Texte aus den Ghettos und Konzentrationslagern („Mir lebn ejbiig“, „Schtiler, schtiler“). Die Beschäftigung mit dem Jiddischen brachte mich gar dazu, an der Universität ein Seminar zur jiddischen Sprache zu belegen. Ebenfalls  regte mich das zu privater Lektüre an (etwa: „Erzählungen der Chassidim“ von Martin Buber). Heute denke und empfinde ich, dass viele dieser Lieder von jungen Menschen, wie wir es damals ja waren, kaum in ihrer Tiefe gesungen und interpretiert werden können. Man höre sich dagegen nur einmal die Interpretation der „Tsen Brider“ von Andrè Heller an! Dennoch war es vor über 30 Jahren ein Thema, das mich, durch den Gitarrenunterricht angeregt, stark beschäftigte. Seit damals ist dieses Kapitel in mir eine feste Größe, ruht allerdings still in mir und ist immer präsent, wenn der Deckel angehoben wurde. Erst vor kurzem machte ich diese Erfahrung wieder: Im Rahmen des  Wettbewerbs „Trialog der Kulturen“ las ich das Buch „Schalom Martin“ von Michael Landgraf. Eingewoben in die Geschichte zweier Jungen stellt Landgraf darin das Judentum, seine Riten und Feste, Hintergründe und Geschichte vor. So ist es nicht verwunderlich, dass er auch auf das Jiddische zu sprechen kommt – und flugs waren all meine Erinnerungen wieder da. Ich legte auch seit Jahren einmal wieder die alte Vinylplatte auf den Plattenteller mit jenem sechsminütigen Gitarrensolo meines Lehrers. Er improvisierte, über das gesamte Griffbrett der Gitarre hinweg wirbelnd, die Melodie von „Lomir sich iberbejtn“, live gespielt und ohne digitale Bearbeitung. Noch immer bin begeistert über diesen Anschlag und die „Sauberkeit“ seines exakten Spiels. Auch dass ich seit dieser Zeit eine Mandoline mein Eigen nenne, geht auf ihn zurück. Er bereicherte das Klangbild der Folkgruppe mit diesem, in der jiddischen Musik durchaus üblichen Instrument und gewann auch darin eine gewisse Meisterschaft. Ich selbst wurde auf diesem schmalen Griffbrett, den doppelt bespannten Saiten und den engen Bünden nicht mehr richtig „beheimatet“, nutzte es aber immerhin für zwei- und dreistimmige Zupfmusik in verschiedenen Gitarrengruppen in meiner damaligen Gemeinde. Seither hängt dieses bauchige Instrument an der Wand meines Arbeitszimmers. Nur wenn ich es vom Staub befreie, was nicht öfter als einmal pro Jahr vorkommt, nehme ich es mal wieder zur Hand.

Auch wenn ich deinem Vorschlag und häufigen Drängen, Gitarre an der Musikhochschule in Saarbrücken zu studieren, nicht nachgekommen bin („Inzwischen bist du doch soweit, dass du die Aufnahmeprüfung spielend schaffen würdest!“), die Früchte deines Unterrichts begleiten mich bis in die Gegenwart meines jetzt ausgeübten Berufs hinein. Danke und requiescat in pace! (Wenngleich: Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Engel in den himmlischen Sphären voller Neid ihre Harfen weggelegt haben, um den vollen und prallen Töne lauschen zu können, die du der Gitarre zu entlocken in der Lage bist.)

 

Mittwoch, 17. Juli 2013:

Nichts Neues gibt es von der Baustelle „Personal“ zu berichten. Sie brennt heftig, denn es fehlen jetzt doch noch mindestens zwei Kolleg/-innen, zusätzlich sind beide Stellen für ein Freiwilliges Soziales Jahr sind derzeit nicht besetzt und ohne Perspektive, weil auch keine Bewerbungen vorliegen.  Nun hat sich auch noch die katholische Kirche hinsichtlich des Religionsunterrichtes bei der Schulaufsicht beschwert, dass „gerade an Integrierten Gesamtschulen“ das Fach Religion zum Teil anders belegt ist. Sie bestünde aber auf der rechtlichen Regelung. Das bedeutet: Nochmal umwerfen, nochmal Kolleg/-innen hinsichtlich ihrer Lehrbefähigung durchforsten…irgendwie ist in diesem Jahr der Wurm drin und dabei wollen wir doch in den mittleren beiden Ferienwochen auch selbst Urlaub machen. Da werden wir wohl einige offene Punkte mit in den Urlaub nehmen…vorher wird sich nichts mehr tun.

 

Dienstag, 11. Juli 2013:

Gestern fand so etwas wie eine erste Bausitzung beim Kreis statt: Schuldezernent, Abteilungsleiter und Vertreter des Bauamtes hatten mich geladen. Es ging um den genauen Raumplan für die Umsetzung der Schulbaurichtlinie für eine vierzügige IGS mit Oberstufe. Wir überprüften jeden Raum und ordneten ihn der Richtlinie zu. Nur was fehlt und gleichzeitig in der Richtlinie ausgewiesen ist, wird beim dritten Bauabschnitt vom Land bezuschusst. Und auf diesen Zuschuss ist der Landkreis angesichts der leeren Kassen angewiesen. Wohl fühlte ich mich bei dem Gedanken, dass die Verantwortlichen des Kreises in ihrem Antrag für den endgültigen Ausbau auch den Doppelstandort berücksichtigen wollen. Etwa: Es stehen zwei Computerräume im Raumplan. Wir haben zwar bereits einen in Wachenheim, der normalerweise mitgerechnet wird. Nur: dieser kann für die Klassen sieben bis 13 in Deidesheim ja nicht genutzt werden. Sinnvoll und gemäß der Absicht des Raumplanes sollten also für Deidesheim zwei Computerräume nutzbar sein, auch wenn addiert dann drei herauskämen. Die Frage ist, ob sich der Baudezernent der Schulaufsicht auf diese Argumentation einlässt oder nicht. Insgesamt erlebte ich aber einen wohlwollenden Schulträger, der auf einen guten Ausbau Wert legt. Das tat gut, auch wenn durch die maximalen Planungen eine Bausumme von acht Millionen im Raum stand. Herb war dann die Zeitplanung: Anmeldezahlen für die Oberstufe liegen frühestens am 1. März 2014 vor. Wie weit der Antrag vorher geprüft und genehmigt werden kann, ob dann erst eine Ausschreibung erfolgen kann und wieweit die Planungen vorangeschritten sein werden, bleibt offen, so dass der wahrscheinliche Baubeginn, auch bei positiver Dekart, mindestens in den Sommer 2014 rutscht. Es könnte aber auch später werden. Nun gut: dass die neuen Elftklässler in eine fertig gestellte Schule einziehen würden, hatte ich eh nicht gedacht. Dieses erste Jahr könnten wir mit den vorhandenen Räumen auch irgendwie abdecken. Eng und daher genau geplant werden muss dabei vor allem die Belegung der naturwissenschaftlichen Räume. Da fehlen uns noch drei, zwei sind zwar vorbereitet, müssen aber installiert werden, was in den Bauabschnitt fällt und nicht vorher erledigt wird. Und zudem verfügt der Landkreis über zusätzliche Container. Wenn dann zum Start der zwölften Klasse alles fertig ist, wäre ich nicht unzufrieden. Na, da liegt noch eine gute Strecke vor uns! Offen ist nach wie vor die Frage: Aufstocken oder anbauen? Derzeit wird parallel geplant. Solange die Kosten nicht errechenbar sind, wird keine Entscheidung getroffen. Wenn ich dann schon mal bei der Kreisverwaltung bin, fragte ich mich hinsichtlich der Schulsozialarbeiterin durch. Und das mit Erfolg: Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die Schule für beide Standorte eine neue Schulsozialarbeiterin bekommen. Das wird unsere Arbeit erheblich erleichtern und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen fortsetzen. Alles in allem also ein guter Termin am ersten Ferientag.

Mit diesen Aussichten fuhr ich heute nach Deidesheim in die anberaumte Sitzung des Schulleitungsteams. Der Terminplan und die Unterrichtsverteilung standen an. Da weitere Personalgeschichten hinzukommen, gestaltet sich diese kompliziert. Wir müssen die etwa tausend Lehrerwochenstunden so aufteilen, dass alle Fächer, alle Kolleg/-innen und alle anderen Faktoren berücksichtigt sind. Das ist nicht möglich, solange das Personal nicht komplett ist. Also planen wir derzeit mit einer/m Kolleg/-in „NN1“. Das ist mutig gedacht und steht für Non Nomen, ohne Namen, aber er/sie sollte mit der Kombination Englisch/Deutsch kommen. Kommt er/sie nicht, haben wir das Problem des Neu-Machens. Kommt sie/er können wir die Planung umsetzen. Nur die Zeit drängt und die Kolleg/-innen wollen schon langsam wissen, welchen Unterricht sie im kommenden Schuljahr in welchen Lerngruppen und Klassen sie unterrichten werden. Mehr als eine vorläufige Planung geht derzeit nicht. Das Land ist mit zusätzlichen Stellen gefragt. Erfahrungsgemäß ist da während der Ferien auch noch Bewegung drin. Also planen wir vorläufig weiter und hoffen.

 

Freitag, 05. Juli 2013:

Das Ende eines Schuljahres ist immer wieder voll getränkt mit zusätzlichen Terminen und Anlässen. Wir wollten es nicht vergehen lassen, ohne am Standort Deidesheim mit „den Großen“ noch ein Assembly durchzuführen. Gerade im Hinblick auf die Weiterentwicklung war es dort etwas in den Hintergrund getreten, bzw. ließen wir die Schüler/-innen der Vorbereitungsgruppe etwas allein in der Hoffnung: Sie werden das hinbekommen. Auch ich selbst hatte mehr das Assembly in Wachenheim im Blick und auch betreut. Umso wichtiger war das heutige in Deidesheim, dem ich mich auch voll widmete. Ich äußerte auch zu Beginn meinen Wunsch, mit den „Großen“ unseren Schulkanon nach langer Zeit und mit drei Jahrgängen zu singen. Er wurde, wenn auch nicht mit der vollen Begeisterung von über 300 Kids erfüllt. Aber er erklang er hörbar in der Turnhalle. Die eigens gekaufte Leinwand kam vorgestern noch pünktlich, so dass wir auch medial gut aufgestellt waren. Vier Kolleg/-innen stellten den Rahmen der geplanten Skifreizeit vor, ich hatte noch zirka 30 Fotos aus dem zu Ende gehenden Schuljahr zusammen gestellt und die Schülervertretung verabschiedete unsere Schulsozialarbeiterin. Ob sie eine Nachfolgerin haben wird, ist noch offen. Gut, dass wir uns diese Zeit genommen haben, das Assembly ist aufgefrischt und es war eine gute Veranstaltung. Im kommenden Jahr werden wir Termine ´rollierend festlegen, so dass lediglich die inhaltliche Vorbereitung ansteht und ich kann mir diese Termine dann auch freihalten. Mich beschlich nämlich das Gefühl, dass die Unterstützung und Anwesenheit des Schulleiters bei dieser Stunde der Gemeinsamkeit wichtig ist.

Ein Lehrstück des hiesigen Presseverhaltens war heute noch zu konstatieren. Die Neustadter Ausgabe der Tageszeitung berichtete bereits letzte Woche von unserer Entlassfeier. Den Text dazu verfasste die Redaktion nach zuvor bei mir erfragten Einzelheiten. Nur ein Fotograf kam kurz „vorbeigeschneit“. Eine Liste mit Zahlen der Abschlüsse und Namen der Preisträger hatte ich zuvor bereits an die Redaktion gemailt. Bei den vielfältigen Abschlussfeiern der Schulen rundum durchaus verständlich. Nun unterliegt aber dem vielfach erwähnten Doppelstandort zusätzlich das Problem zugrunde, dass die Grenze der beiden Lokalredaktionen in Forst verläuft. Für alles, was in Wachenheim stattfindet, fühlt sich die Redaktion der Bad Dürkheimer Ausgabe zuständig, für alles in Deidesheim die Neustadter unter dem Titel „Mittelhaardter Rundschau“. Mehrere Versuche meinerseits, dass Artikel über die Schule doch bitte in beiden Ausgaben erscheinen sollten, blieben erfolglos. Man lasse sich da nicht reinreden – ich halte es zusätzlich für einen „Kleinkrieg der beiden Lokalredaktionen“ – so dass immer ein Teil unserer Elternschaft, zumindest was die Zeitungslektüre anbelangt, uninformiert ist. Heute nun – mit einwöchiger Verzögerung – rief die Lokalredaktion bei mir an: Ein Redakteur habe auf dem Foto einen Schüler aus dem Raum Bad Dürkheim erkannt. Ich solle ihnen nochmal alle Namen mit Herkunftsort zumailen, damit die aus dem eigenen Bereich nochmals besonders gewürdigt werden könnten. Posse oder wertschätzender Umgang? Wer mag das schon unterscheiden.

Wie sieht Schule im kommenden Schuljahr aus? Mit welchen Personen werden wir arbeiten (auch Nachfolger/-innen für das Freiwillige Soziale Jahr sind bisher nicht gefunden)? Wie wird sich der konzeptionelle Aufbau weiter gestalten? Fragen, die an einem letzten Schultag des Jahres durch den Kopf gehen. Nun kommen also Ferien? Noch so Vieles ist für das neue Schuljahr offen, dass die kommenden Wochen wohl eher mit unterrichtsfreier Zeit zu umschreiben sind. Noch habe ich also keine Muse zu einem zusammenfassenden Rückblick.

 

Donnerstag, 04. Juli 2013:

So kann es gehen: Team fünf steht nicht mehr und eine zusätzliche Förderlehrkraft werden wir auch nicht bekommen, obwohl wir neun zusätzliche Kinder mit besonderem Förderbedarf aufgenommen haben – Hektik, Stress, der Anruf bei der Schulaufsicht ging ins Leere. Also komme ich erstmal nicht weiter, auch nicht mit der Unterrichtsverteilung.

Dennoch gibt es auch einen Lichtblick: Unser Exposé ist als Wettbewerbsbeitrag zum „Trialog der Kulturen“ nun offiziell zugelassen, nachdem wir in zwei Punkten nach Angaben der Jury nachgebessert haben. Das wird eine spannende Geschichte werden und zum ersten Mal winkt auch als Preis eventuell eine nicht zu unterschätzende finanzielle Zuwendung – allein die Zulassung zur Teilnahme lässt über 3.000 Euro zu uns fließen. Also: Dranbleiben und Dank an die bisherigen „Exposè-Verfasser“.

Ein besonderes Elterngespräch mit Studentinnen der Uni Landau fand heute statt. Inhalt und Verlauf passen gerade zu unseren Problemen – geht es doch um die Erfahrungen der Eltern mit der Schwerpunktschule. Auch von dieser Seite durchaus Zufriedenheit mit dieser Schulform und ihrem Anliegen der Inklusion. Die Erfahrung der personellen Notausstattung kommt ebenfalls von Elternseite und wurde vehement geäußert. Wer weiß, wozu dieses Gespräch dienen kann.

 

Mittwoch, 03. Juli 2013:

„Wir werden ein Team“ – so heißt in jedem Jahr die am Ende des Schuljahres stattfindende Fortbildung für das neue Team. Wie immer traf sich die Gruppe zum ersten Mal in dieser Konstellation, mir einzeln bekannt, aber nicht als Team. Den bewährten Ablauf hatten wir im Wesentlichen unverändert aus den vergangenen Jahren übernommen und versuchten auch heuer wieder die Schritte vom „Ich“ über das „Du“ zum „Wir“ zu vollziehen, möglichst nicht nur mit dem Kopf. Auch dieses Mal stand das Iglu-Zelt, das bisher jedes Team mit verbundenen Augen aufstellen musste. Das verblüffende an dieser „Übung“ kam auch heute wieder zum Vorschein: Viel Kommunikation und Kooperation ist notwendig, um das fehlende Sehen zu ersetzen, zumal die Aufgabe nur als Team gemeinsam zu lösen ist. Dabei tauchen auswertend immer wieder Gesprächsanlässe auf: Wer hat geführt? Wer hat Verantwortung übernommen? Wer hielt sich zurück? Waren alle beteiligt? Wer stand weshalb passiv am Rande? Mit diesen ersten, spielerisch erfahrenen Strukturen an Zurückhaltung, an Verantwortung übernehmen und an Zusammenarbeit lässt sich die Arbeit im Team gut beleuchten und für die kommenden Jahre sensibilisieren. Wenn dieser Einstieg gelingt, kann über die Jahre hin darauf und an die im Anschluss erarbeiteten Team-Regeln angeknüpft werden. Ab dem kommenden Jahr muss diese Fortbildung weiterentwickelt werden, denn es werden keine komplett neuen Teams mehr gebildet werden. Die ersten Kolleg/-innen werden dann aus den jeweiligen Zehner-Teams wieder in Fünf beginnen und die Teams lediglich durch neu hinzugekommene ergänzt werden. Haben wir viel Wert auf diesen Einstieg in die Teamarbeit gelegt, so haben wir die weitere Entwicklung der Teams sicherlich vernachlässigt. Darauf sollten wir künftig mehr achten.

Ansonsten war es ein Tag, der eine Vierteilung meinerseits notwendig gemacht hätte: Von den zwei Einladungen zu Schulleiter-Verabschiedungen konnte ich nur eine wahrnehmen, eine Kollegin in Deidesheim bekam trotz Termin ihren Gesprächswunsch nicht erfüllt  und auch den abschließenden Termin der 1stClassRock-Gruppe (wegen eines Geburtstages gar mit Eis essen verknüpft) konnte ich nicht wahrnehmen. Und dann hängt mir die Unterrichtsverteilung noch immer ungelöst im Nacken…

 

Dienstag, 02. Juli 2013:

Hauptpunkt am heutigen Tag war zweifelsfrei die Gesamtkonferenz zum Schuljahresende. In einigen Gesamtteams hatten sich Tischvorlagen angesammelt, die zum Teil schon diskutiert worden sind und heute nun zur Abstimmung anstanden. Einige wichtige konzeptionelle Punkte waren darunter, wie zum Beispiel das Konzept zur Berufsorientierung ab Klasse 6 einschließlich des Praxistages, die Tischvorlage der Fachkonferenz „Fördern“ und der Beschluss der Schwerpunkte in der Oberstufe. Fester Bestandteil vor dem neuen Schuljahr muss auch immer die Verteilung der Anrechnungs- und Entlastungsstunden sein. Auch dieser Punkt ging mit guter und wertschätzender Diskussion über das „Abstimmungsparkett“. Ich hatte im Vorfeld die Zeitspanne