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Dez 2013

Sonntag, 22. Dezember 2013:

Die verschiedensten Bücher zur Biografie des Propheten Mohammed und zum Koran hinterlassen ihre Spuren auch beim Verfassen meines diesjährigen Weihnachtsbriefes an die mit der Schule Befassten. Er sei, wie in den letzten Jahren auch, an dieser Stelle notiert:

"Ihr Lieben nah und fern,

während der letzten Monate beschäftigte ich mich im Rahmen des Trialog-Wettbewerbes (erstmals!) mit dem Koran und war erstaunt, eine Reihe von Texten zu finden, deren Inhalte mir aus der Bibel bekannt sind. Auch das Geschehen um die Verkündigung von Christi Geburt findet sich in Sure 3, 45 bis 48:

45 (Damals) als die Engel sagten: „Maria! Gott verkündet dir ein Wort von sich, dessen Name Jesus Christus, der Sohn der Maria, ist. Er wird im Diesseits und im Jenseits angesehen sein, einer von denen, die Gott nahestehen. 46 Und er wird schon als Kind in der Wiege zu den Leuten sprechen und (auch später) als Erwachsener, und (wird) einer von den Rechtschaffenen (sein)“. 47 Sie sagte: „Herr! Wie sollte ich ein Kind bekommen, wo mich (noch) kein Mann berührt hat?“ Er (d.h. der Engel der Verkündigung oder Gott?) sagte: „Das ist Gottes Art (zu handeln). Er schafft, was er will. Wenn er seine Sache beschlossen hat, sagt er nur: Sei!, dann ist sie. 48 Und er wird ihn die Schrift, die Weisheit, die Thora und das Evangelium lehren.“ 

Mögen sich die Theologen beider Religionen damit befassen, welche Rolle die biblischen Elemente im Koran einnehmen und bedeuten. Für mich steckt auch in diesem Text die frohe Botschaft von Weihnachten: Gott schickt (von sich aus) ein Kind auf die Welt und überwindet damit die Gegensätze von oben und unten, von Himmel und Welt, von Diesseits und Jenseits, von Zeit und Ewigkeit. Ganz so haben wir es in der interreligiösen Schulfeier gesungen: „Da berühren sich Himmel und Erde, dass Friede werde hier bei (in) uns.“ Die uns Menschen eigene Unruhe durch die existenziellen Fragen nach dem Woher, dem Wohin und dem Warum, mit denen wir ohne Antworten so schwer zurechtkommen, könnte durch diese Hoffnung unsere Herzen beruhigen. Ohne die Unterschiede einebnen oder die Religionen gleichmachen zu wollen, sagen beide einem gelungenen menschlichen Leben die gleiche Verheißung zu:

„Der (bzw. Die) du im Glauben Ruhe gefunden hast! Kehr zufrieden und wohlgelitten zu deinem Herrn zurück! Schließ dich dem Kreis meiner Diener an und geh in mein Paradies ein!“ (Sure 89, 27 bis 29)

Mit dieser Zusage könnten doch Christen und Muslime einander unvoreingenommen begegnen, könnten einander in ihrem jeweiligen Glauben bestehen lassen und damit Frieden in die Welt bringen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“  (Lukas 2,14).

Diesen Frieden wünsche ich uns allen, jetzt zu Weihnachten und auch im neuen Jahr!"

Quellen: Koranzitate aus der wissenschaftlichen Übersetzung von Rudolf Paret, Der Koran. Textausgabe, Stuttgart 2007; Bibelzitat, Einheitsübersetzung, Freiburg  1999.

 

Donnerstag, 19. Dezember 2013:

Zwei Tage mit Assemblys in den Jahrgängen fünf und sechs. Gestern stand die Lichtsymbolik der Adventszeit im Vordergrund, welche in die Geburt der „Sonne der Gerechtigkeit“ mündet. Heute führten die Sechstklässler ein Krippenspiel mit Puppen auf, das in einem Projekt im Religionsunterricht  entstanden war. Zwei Versammlungen, die es also wieder hinsichtlich der Themen und der  Schülerbeteiligung in sich hatten. Herrlich!

Am Nachmittag tagte die Konzeptgruppe für die Oberstufe. Ein ganz schönes Stück sind wir bereits vorangekommen. Die Phasen der Planung und der Information sind mit den drei Info-Veranstaltungen und dem Tag der offenen Tür am Standort Deidesheim vorüber. Jetzt wird es richtig konkret: Wir gingen verschiedene Anmeldemodalitäten anderer Oberstufen durch, um die kommenden für uns selbst daraus zu entwickeln. Wie soll unser Anmeldeformular aussehen? Was ist für die Oberstufe in Deidesheim wichtig, was nicht? Was bedeuten die einzelnen Profile für die Anmeldung? Und so weiter. Wieder verspürte ich die Spannung eines neuen Anfanges, die Erwartung des kommenden, endgültigen Aufbaus unserer Schule.

 

Freitag, 13. Dezember 2013:

Einer schlichten Anfrage verdanken wir beeindruckende Stunden: Eine palästinensische Christin, in Deutschland aufgewachsen, heute in Betlehem lebend, kommt zweimal im Jahr nach Deutschland, um in Vorträgen über ihre eigene Sichtweise des Nahost-Konfliktes zu sprechen. Der Vortrag heute in der Deidesheimer Mensa für unsere zehnten Klassen beschließt ihre aktuelle Reise. Über den nach wie vor ungelösten Konflikt mit seinen fast täglichen Auswüchsen sind wir (in der Regel durch unsere Medien auch einseitig) informiert. Als Ergänzung oder Gegenpol hörten wir heute, wie konkrete Menschen Leid erfahren und Besuche im jeweils anderen Teil erschwert oder unmöglich werden, wie die von israelischer Seite als „Mauer gegen den Terror“ gedachte Grenze den Garten einer Familie zerschneidet (wie seinerzeit die Friedrichstraße in Berlin), für deren Bau über hundertjährige Olivenbäume mit Bulldozern ausgerissen werden und das in einem Gebiet, in dem der Urgroßvater der Rednerin noch friedlich mit Arabern und Juden gelebt hatte. Mag ihre Sichtweise als Betroffene auch an manchen Stellen einseitig formuliert gewesen sein, sie zeigte einmal mehr: Die Leidtragenden von Politik und Ideologie sind die vielen friedliebenden Menschen, welche die Probleme von Politik und Ideologie nicht die ihren nennen, die fernab von ihnen ein friedliches Nebeneinander leben könnten. Wo sich Mensch und Mensch direkt begegnen könnten, stört die (scheinbar) „große“ Politik mit ihren angeblich übergeordneten Interessen. Das konnte heute zu Diedesheim in der Mensa gelernt werden und also war es eine sehr gute und lehrreiche Veranstaltung. Ein persönliches Gespräch im Auto auf dem Weg zum Mannheimer Bahnhof erstickte dann allerdings leider in den Notwendigkeiten mobil vorgenommener Absprachen, so dass mir erstmals die Fahrstrecke über den Fluss zu kurz erschien.

 

Mittwoch, 11. Dezember 2013:

Eigentlich weilte ich aus weihnachtlichen Gründen in Neustadt, als mich mobil ein Anruf der Schulaufsicht erreichte. Da ich eh in der Stadt war, fuhr ich kurzerhand hin und platzte in eine größere Feier. Viele schwarze Anzüge prägten das Foyer und eine mir bekannte Stimme drang an mein Ohr: „Hallo, Georg! Du hier?....Die Präsidentin aus Trier ist sogar im Haus!“ Unverhofft kommt oft. Zum Glück hatte sich aber mein Gesprächspartner dem offiziellen Anlass entzogen, so dass wir in Ruhe miteinander reden konnten. Wie immer bei meinen Besuchen der Schulaufsicht, bekam ich nicht nur eine Frage geklärt, die eine gab das Stichwort für die nächste.

Ansonsten lief heute der Großteil der Schüler-Eltern-Lehrer-Gespräche, also herrschte eine reichlich bemessene Ruhe im Haus. Eigentlich, denn diese „freie Anwesenheit“ verführte zu einer ganzen Reihe von unvorhersehbaren Gesprächen auf Kollegiums- und Elternseite. Wenn der Schulleiter schon mal in einer fast leeren Schule sitzt…. Eine Mutter traf mich im Flur an. Seit längerer Zeit hatten wir uns nicht mehr gesehen. Sie stellte die schöne Frage: „Haben Sie abgenommen?“ Leider musste ich dies verneinen. Schmunzelnd ging jeder seiner Wege…

 

Samstag, 07.Dezember 2013:

„Kennen Sie mich noch?“. Mit diesen Worten stellte sich eine Frau heute am Tag der offenen Tür vor mich hin. Das Gesicht kam mir immer noch bekannt vor, aber natürlich konnte ich es nicht mehr einordnen. Bei der Nennung des Namens  aber war die Geschichte sofort wieder da. Es muss 1993 gewesen sein, als ich die damalige Sechstklässlerin in Deutsch unterrichtete. Zu meinem großen Bedauern verließ sie die IGS Ernst Bloch in Oggersheim, um am Gymnasium glücklicher zu werden. Inzwischen hat sie ein Studium in Journalistik abgeschlossen. „Das hat auch mit Ihrem Deutsch-Unterricht zu tun. Der hat mir damals so viel Spaß gemacht, das habe ich niemals wieder so erlebt. Selbst im Grammatikunterricht mit Ihrem Regelbuch haben wir immer auch gelacht… Ich habe bei Ihnen so viel gelernt!“ Solche Rückmeldungen, auch wenn sie so spät kommen, noch immer mit einem Leuchten im Gesicht vorgetragen, sind eine wahre Wonne. Schade, dass ich meinen Werklehrer von der Hauptschule in Stuttgart nie wieder gesehen habe, der doch meinen Berufswunsch hervorgebracht hat. Ich empfand auch etwas Wehmut, weil ich wohl Deutsch, auch aufgrund des Korrekturaufwandes, nie wieder unterrichten werde. „Vielleicht hättest du einfach Deutschlehrer bleiben sollen, dann hättest du mehr Schüler/-innen Deutsch mit Spaß vermitteln können…“, sagte meine Frau, als ich ihr von der Begegnung heute berichtete. Aber nein, mein Weg war lang und durchaus erfolgreich. Er war richtig, denn er macht mir immer noch Freude. In der Abwägung war er für mich auch stimmig. Außerdem währte der des Deutschlehrers sechzehn Jahre lang, genug Zeit, „eine ganze Legion von Journalisten“ hervorzubringen, was ja nicht geschah.

Das ist aber nur eine kleine Anekdote des heutigen, sechsten Tages der offenen Tür. Der Besuch war (gefühlt) zahlreicher als im vergangenen Jahr, was sich vielleicht der Anmeldezahl niederschlagen wird. Alle Veranstaltungen waren besser besucht als 2012. Das müssen wir mal abwarten. Wieder beeindruckend war die Arbeit unseres Fördervereins. Bei dieser Größe der Veranstaltung keine Aufregung, keine Hektik und kein Problem festzustellen, ist eine ganz große Leistung. Wenn dazu noch der Schule so früh nicht mehr anzusehen ist, was da heute alles los war, dann steckt dahinter eine quasi professionelle Organisation, die viele Hände einschließt. Danke, danke, danke! Ihr ward heute wieder großartig!

 

Mittwoch, 04. Dezember 2013:

Es gibt Themen, die nehme ich kaum noch wahr, obwohl sie bei jeder Schüler-Generation neu zu formulieren sind. Eines davon ist der Nikolaus. Längst ist er vermischt mit dem dubiosen Weihnachtsmann aus der Werbung, der da mit dem Rentierschlitten durch die Schornsteine der Häuser rauscht. Daher stand heute der historische Bischof aus Myra auf dem Programm im Assembly. Verknüpft mit der „Weihnachtsbäckerei“, das aus allen Kehlen herrlich erklang und rhythmisch ergänzt, dem Treffen heute zu einer stimmungsvollen Atmosphäre verhalf.

 

Montag, 02. Dezember 2013:

Heute Morgen öffnete ich zum ersten Mal um halb acht Uhr die Mensa für die „Verfrorenen“. Ich hatte die Liste mit Unterstützern aus Jahrgang zehn bereits am Donnerstag erhalten. Damit war die Bedingung erfüllt. Es war herrlich für mich. Zum einen ist die morgendliche Stimmung sehr schön, denn da herrschen weder Hektik, noch Aufregung, noch Lautstärke. Langsam „trudeln“ die Schüler/-innen ein, bei manchen staune ich, dass die Augen bereits offen sind. Sie setzen sich hin, lesen still in Büchern, lernen noch dies oder schauen sich für einen Test noch das genauer an und lassen dem Wochenplan noch diese oder jene Ergänzung zukommen. Das allein mitzuerleben ist schon ein Genuss. Im Grunde kenne ich alle diese Schüler/-innen aus dem Musikunterricht der fünften Klasse. Über die Jahre hinweg habe ich aber den Kontakt zu ihnen „verloren“. Durch die „Wärmestube“ in der Mensa erlebe ich sie jetzt für eine halbe Stunde wieder neu. Erstaunlich, wie sich manche entwickelt haben. Erstaunlich aber ebenso, wie andere im Damals verharren. Alles in allem also ein Zugewinn für mich, bei dem sich der zeitliche Einsatz (bisher) nicht negativ bemerkbar macht. Eine Frage stellt sich mir aber angesichts der vollen Mensa: Was, wenn es richtig kalt wird und noch 50 weitere kommen wollen?